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Literaturempfehlungen
Die Lotoskönigin
 
Autor: Mabel Collins
ISBN: 978-3-89427-380

H. P. Blavatsky: Neue Perspektiven eröffnet

Autor: Charlotte Wegner
 

Jedes Atom lebt

Blavatsky eröffnet 1888 Sichtweisen, die sich erst im 20. und 21. Jahrhundert langsam Bahn brechen:

,Weltall, durch alle seine Reiche hindurch, ist BEWUSST: d. h. mit einem Bewusstsein eigener Art auf der eigenen Wahrnehmungsebene ausgestattet. Wir dürfen nicht vergessen: Nur weil wirkeine Anzeichen von Bewusstsein etwa in Steinen wahrnehmen können, haben wir kein Recht zu sagen, dass in ihnen kein Bewusstsein vorhanden sei. ,Tote' oder ,blinde' Stofflichkeit gibt es ebenso wenig wie ein ,blindes' oder ,unbewusstes' Gesetz."    
(Theosophie und Geheimwissenschaft, (Blavatsky-Textauswahl), übers. von S. Botheroyd, München 1995, S. 174 f.) 

Neunzig Jahre später (1978) erklärt David Bohm, Physikprofessor und Mitarbeiter Einsteins, dass

„das, was wir unmittelbar sehen, in Wirklichkeit eine sehr oberflächliche Sache ist, ... was wir wirkliche Dinge nennen, sind tatsächlich nur kleine Kräuselungen , die wohl auch ihren Platz haben, aber sie haben sich widerrechtlich des Ganzen bemächtigt". „Unsere Sinne zeigen uns nur die Oberfläche des Wassers. Wir sind mit Wellen und Wirbeln, mit Spritzern und Gischt beschäftigt", kommentiert S. Nicholson (Uralte Weisheit - moderne Erkenntnis,S. 23)

1984 macht Brian Josephson, Nobelpreisträger u. Professor für Physik in Cambridge folgende Aussage:

„In jedem Atom der Materie können Elemente von Intelligenz vorhanden sein, und wie die biologischen Formen unserer Welt, kann es eine Evolution zu höheren Ebenen durchmachen. Physiker tendieren dazu, die Materie als leblos anzusehen und sind damit auf der falschen Spur. Selbst auf der niedrigsten Ebene scheint die Materie sich wie etwas Biologisches und Lebendiges zu verhalten. Hinter dem Phänomen, das wir gewöhnlich sehen, und sogar hinter den Phänomenen, die von Physikern erforscht werden, könnte es Leben und Intelligenz geben ... Ebenso scheint alle Materie eine geheimnisvolle Ganzheit oder Einheit zu besitzen, die wir Wissenschaftler nicht erklären können, die aber in den östlichen Religionen häufig beschrieben wird." (Interview von B. Rohan, Detroit Free Press, 25. Okt. 1983, zit. S. Cranston, Leben und Werk der H. Blavatsky, a. a. O. S. 537)

 

Fundamente der Geheimlehre

Dies ist die Dimension, die Blavatsky in ihrem Monumentalwerk ausleuchtet, ausgehend von dem, was sie als das „Fundament" der zeitlosen Weisheit bezeichnet:

„Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und unveränderliches PRINZIP, die „wurzellose Wurzel von allem". „Das erste fundamentale Gesetz ... ist die absolute Unteilbarkeit des Wesenskerns eines jeden Bestandteils aller in der Natur vorhandenen Dinge, und zwar in der vollen Bedeutung des Wortes: ob Stern oder geringstes Mineral, vom höchsten Dhyan Chohan bis zum kleinsten Wurm, ob in der geistigen, intellektuellen oder physischen Welt." (Geheimlehre, Studienausgabe, S. 81 u. 134)
Das heißt: Hinter der oberflächlichen Trennung gibt es eine grundlegendere und wirklichere Einheit, welche die scheinbar unvereinbaren Dinge trägt. (S. Nicholson)

Trotz aller Zerrissenheit in der heutigen Zeit lässt sich beobachten, dass dieses Prinzip der Einheit und organischen Ganzheit, wenn auch langsam und in kleinen, zuweilen schmerzhaften Schritten, ins Bewusstsein dringt -im ökologischen und im gesellschaftlichen Denken. ,Vernetztheit' ist das neue Paradigma: der Planet - ein lebendes Wesen, die Menschheit: eine Familie; insgesamt Perspektiven, die in der Philosophie der Geheimlehre entfaltet sind.

Das zweite fundamentale Gesetz der Geheimlehre ist das der Zyklen oder der periodischen Manifestation, sinnbildlich als Aus- und Einatmen des Einen Lebens umschrieben - ein Gesetz, das auf allen Ebenen sichtbar wird, in unserem kleinen Leben, Wachen und Schlafen, Tag und Nacht, Geborenwerden und Sterben, auch im Entstehen und Vergehen von Planeten, Sonnensystemen und Galaxien.

Verfolgt man die Aussagen heutiger Astrophysiker wie Stephen Hawking und Paul Steinhardt, so stellt man eine bedeutsame Modifikation der Urknall-Theorie fest, die in Richtung dieses Gesetzes weist: Steinhardt vertritt die Ansicht:

„Der Urknall ist nicht der Anfang von Zeit ... Das Universum macht eine endlose Reihe von Zyklen durch, indem es sich ... zusammenzieht und in einem ausdehnenden Urknall wieder auftaucht, getrennt von Trillionen von Evolutionsjahren". (Sunrise 3/2003, S. 108)

Emanation, von innen geleitet - Geist als treibende Kraft

Die Weisheitsreligion sagt, und alle, die in dieser Tradition stehen, dass das Eine durch einen Vorgang des Ausströmens zu den Vielen wird.
„Das Eine Sein atmet sozusagen einen Gedanken aus, der zum Kosmos wird."

Unsere Welt der Myriaden gesonderter Formen verdichtet sich allmählich und gradweise aus ihrem einheitlichen göttlichen Ursprung. Aber die Welt der materiellen Dinge ist niemals in irgendeiner Weise von ihrem göttlichen Ursprung abgeschnitten. Blavatsky verweist auf die „Ungetrenntheit von allem, was lebt", veranschaulicht durch das großartige Bild einer sich wechselseitig beeinflussenden Kette.

„Von Göttern bis zu den Menschen, von den Welten bis zu den Atomen, von einem Stern bis zu einem schwachen Schimmer, von der Sonne bis zur Lebenswärme des geringsten organischen Lebens - die Welt der Formen und des Daseins ist eine ungeheure Kette, deren Glieder alle miteinander verbunden sind."

Doch diese „Kette" und „Emanation aus einer Quelle" dürfen wir uns nicht irgendwo draußen vorstellen, etwa in der Art, dass da irgendwo eine Quelle sei. Blavatsky gibt einen inspirierenden Hinweis:

„Das Universum wird von innen nach außen kunstvoll gewirkt und geleitet. Wie oben so unten, wie im Himmel so auf Erden, und der Mensch - der Makrokosmos im Kleinformat (vgl. drittes fundamentales Gesetz) - ist der lebendige Zeuge dieses universellen Gesetzes. Wir beobachten, dass jede äußere Bewegung, Handlung, Geste, ob willkürlich oder mechanisch, organisch oder mental, von inneren Gefühlen oder Gemütsbewegungen, Wille oder Wollen, Gedanke oder Verstand erzeugt wird oder ihnen vorausgeht ... So wie keine äußere Bewegung oder Veränderung im Normalzustand im äußeren Menschenkörper stattfinden kann, wenn kein innerer, von einer der drei genannten Funktionen ausgelöster Impuls erfolgt, so verhält es sich auch mit dem äußeren, sichtbar gewordenen Universum. Der ganze Kosmos wird geleitet, überwacht und belebt von nahezu endlosen Hierarchien fühlender Wesen, wovon jede eine Aufgabe auszuführen hat und die - gleichgültig, welchen Namen wir ihnen geben —, ... Werkzeug der karmischen und kosmischen Gesetze ... sind." 

(Theosophie und Geheimwissenschaft, (Blavatsky-Textauswahl), übers. von S. Botheroyd, München 1995, S. 174 f.)  

George Wald, Nobelpreisträger und Professor der Biologie an der Harvard Universität räumt ein:

„Ich und praktisch alle anderen Biologen, sowie die meisten Menschen überhaupt, hatten angenommen, dass Bewusstsein oder Geist ein spätes Produkt der tierischen Evolution war. Mir kam die Idee, dass statt dessen die ständige alles durchdringende Präsenz des Geistes die Materie in diese Richtung führte."
 („Leben und Geist im Universum", zitiert in S. Cranston, Leben und Werk der H. Blavatsky, a. a. O. S. 530)
Für Blavatsky besteht kein Zweifel, dass „alle Dinge ihren Ursprung im Geist gehabt haben", wobei Geist und Materie/Substanz nicht als zwei grundsätzlich getrennte Dinge aufzufassen sind ... Form und Gestalt sind nur ein Ausdruck des Bewusstseins auf einer besonderen Stufe der Entfaltung. Das Bewusstsein, der „göttliche Geist", die subjektive Seite der Natur, ist die treibende Kraft hinter aller Erscheinung. „Die Geheimlehre erklärt, dass der Anstoß für die Entwicklung der Formen aus dem Drang kommt, das Potential des Bewusstseins freizusetzen, und nicht, wie die Wissenschaftler glauben, als Folge von zufälligen Veränderungen auf der materiellen Seite. Eine Wissenschaftsgeschichte, die nur die Entwicklung der Formen studieren kann, ist nicht in der Lage, die Kraft des Bewusstseins im Hintergrund wahrzunehmen, die durch den göttlichen Geist wirkt, um Formen zu schaffen, die für seine Verkörperung in verschiedenen Stadien geeignet sind." ( S. Nicholson S. 150)

Naturwissenschaft und Religion - eine Synthese?

Es zeigt sich, wie sinnvoll und notwendig das Postulat der Geheimlehre ist, dass Naturwissenschaft, Philosophie und Religion zu einer Synthese finden müssen, will man die tiefere Struktur unserer Welt erfassen. Es gibt Anzeichen, dass einige der größten Wissenschaftler und Denker unserer Zeit intuitiv diese Einheit erahnen. Weitab von dogmatischer, trennender Theologie bekennt sich Albert Einstein zu einer

„kosmischen Religiosität," die er für die „stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung" hält. „Das Erlebnis des Geheimnisvollen ... das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, die Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtender Schönheit, ... dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus." „Ich kann nicht glauben, dass Gott mit der Welt Würfel spielt... Meine Religion besteht in der demütigen Anbetung eines unendlichen geistigen Wesens höherer Natur, das sich selbst in den kleinen Einzelheiten kundgibt, die wir mit unseren schwachen und unzulänglichen Sinnen wahrzunehmen vermögen. Diese tiefe gefühlsmäßige Überzeugung von der Existenz einer höheren Denkkraft, die sich im unerforschlichen Weltall offenbart, bildet den Inhalt meiner Gottesvorstellung." (Ideas and Opinions, New York 1954)

Nach Blavatsky ist die Evolution keine Zufallsfolge. Sie ist verursacht und zeigt deutlich eine Richtung an:

„Die ganze Anordnung der Natur zeigt ein Vorwärtsschreiten in Richtung auf ein höheres Leben",

heißt es in der Kosmogenesis. Was dies bedeutet, erläutert Nicholson: „Das ganze ungeheuere evolutionäre System setzt die Kräfte eines Bewusstseins frei - von dem elementarsten Empfindungsvermögen des Pflanzenreichs, sogar auch des Mineralreichs, bis zur übermenschlichen Intelligenz, die noch entwickelt werden soll. Erscheinungsformen wie die menschliche Gestalt mit ihrem unvorstellbar komplizierten Gehirn können mit neuen Arten von Intelligenz wirken, die weit über frühere einfache Formen hinausgehen. Die Entwicklung schreitet voran, um immer sensitivere Formen hervorzubringen, durch die höhere Bewusstseinsstufen und damit höhere Grade des Göttlichen Geistes sich manifestieren können." ( S. 151)

Gegenwärtiges Stadium

Blavatsky stellt die menschliche Fähigkeit zur Selbsterkenntnis in einen evolutionären Rahmen: Im siebenfältigen Spektrum der menschlichen Konstitution zieht sich ein Leitfaden durch die verschiedenen Stufen und Facetten des Bewusstseins, deren Entfaltung vor dem Hintergrund von Reinkarnation und Karma durchaus einsichtig ist. Die modernen Wachstumspsychologien sind mehr oder weniger ein Widerhall der Impulse, ein Ausarbeiten der ,Landkarte', die Blavatsky hundert Jahre zuvor skizziert hat.
Betrachten wir unsere gegenwärtige Bewusstseinslage, so scheint es, dass die Menschheit offenbar an einer kritischen Stelle ihrer Entwicklung angekommen ist. Die Emotional-Natur (Gefühle, Wünsche, Leidenschaften) ist voll entfaltet, ihr zur Seite steht ein immer mehr entwickelter und trainierter Intellekt (als möglicher Erfüllungsgehilfe?) - ein Stadium, das zu wenig erfreulichen, teilweise bedrohlichen Entwicklungen führen kann. „Wir sind Riesen an Intellekt, aber Zwerge an Herz", charakterisierte der Inder Gopi Krishna den gegenwärtigen Entwicklungsstand. Blavatsky fasste den Entwicklungsschritt, der vor uns liegt, in den Worten zusammen:

„Der Wogenkamm des intellektuellen Fortschritts muss in Spiritualität übergeleitet werden."

Vielleicht ist das der Grund, warum in den Werken Blavatskys ein so tiefgründiger Blick in die Weisheitstradition der Menschheit gewährt wurde.

(Schluss folgt)
 
veröffentlicht am Fr. 27.11.2009