Das Problem der Krankheit in neuem Licht

Geoffrey Hodson

Diese bereits 1930 veröffentlichte Studie über das Problem von Krankheit und Gesundheit hat heute, 80 Jahre danach, nichts von ihrer Aktualität verloren. Für einige Leser mag der Hinweis des Verfassers, wie er seine Einsichten gewonnen hat, von Interesse sein.

„Es gibt mindestens drei Wege“, heißt es im Vorwort, „um Wissen zu erlangen; eigene Beobachtung, Erziehung durch jemand anders und direkte intuitive Wahrnehmung. Die ersten beiden sind äußerlich, der dritte innerlich.“

Dieser letzte Weg ist es, den Hodson beschritten hat. „Mit tiefem Interesse am Problem menschlichen Leidens und besonders dem von Gesundheit und Krankheit, richtete er all seine mentalen Energien darauf, eine Lösung zu finden.“ „Er glaubt“, so heißt es weiter, „dass er durch einen Meditationsprozess sich jenem Bewusstseinsreich näherte, in dem alles Wissen ruht. Er fühlte sich bei seiner Suche nach Wahrheit von einem Lehrer geleitet. Er sah … durch ungewohnte Augen, und während er schaute, zeichnete er das Wenige auf, das er zu sehen in der Lage war.“ „Möge es dazu dienen, den Leidensdruck, der so schwer auf der Welt lastet, wenn auch nur um eine Träne, zu verringern. Möge es in anderen den Wunsch wecken, den Schleier zu durchdringen, hinter dem alles Wissen verborgen liegt, und ihre Entdeckungen darauf zu verwenden, den Schmerz und die Trauer der Menschheit zu erleichtern.

Stärkere Geister, eine kühnere geistige Vision und ein größerer Meister englischer Prosa sind nötig, will man der herrlichen Schau vollkommenen Wissens wahrhaft teilhaftig werden und in eine würdige Form gießen. Bis dahin möge dies dem Leser dienen.
 
Es liegt Hodson daran, festzustellen, dass mit dem oben Gesagten keinerlei Anspruch auf „Autorität“ oder gar „göttliche Inspiration“ verbunden sei. Das Buch sei einzig und allein nach seinem Inhalt zu bewerten. Obiges habe er erwähnt, um eventuellen Fragen zu begegnen, und aus Gründen der Aufrichtigkeit, um die Hilfe, die ihm zuteil wurde, nicht unerwähnt zu lassen.
 
Als Basis seiner Ausführungen umreißt er in einer Einführung das theosophische Menschenbild.

(Redaktion)


EINFÜHRUNG

Das Buch gründet sich auf folgende Annahmen:

1. Der Mensch ist ein dreifältiges geistiges Wesen, das in vier stofflich-sterblichen Körpern inkarniert ist.

2. Die drei Aspekte seines geistigen Selbstes sind Widerspiegelungen göttlichen Willens, göttlicher Liebe und göttlicher Intelligenz.

In diesem geistigen Aspekt seiner Natur ist der Mensch eins mit dem Logos. Der Unterschied zwischen Logos und Mensch liegt in dem Grad, in dem ihre dreifältigen Kräfte offenbar geworden sind.
 
In Gott sind diese Kräfte vollständig offenbar; im Menschen manifestieren sie sich graduell in dem Maße, in dem seine Evolution fortschreitet.

3. Die vier stofflich-materiellen Körper des Menschen in zunehmender Dichte sind:

(a) sein Mentalkörper, aus Mentalstoff gebildet und Träger (Schwingungsfeld) seiner Gedanken.

(b) sein Emotionalkörper, aus Emotionalstoff gebildet; Träger (Schwingungsfeld) seiner Gefühle.

(c) sein Vital- oder ätherischer Körper, aus Ätherstoff gebildet, Träger seiner physischen Lebenskraft und Verbindung zwischen dem physischen und den feinerstofflichen Körpern.

(d) sein physischer Körper, bestehend aus physisch festen, flüssigen und gasförmigen Stoffen; Träger seines Handelns und seines Selbstausdrucks in der physischen Welt.
 
Innerhalb dieses vierfachen stofflich-materiellen Teils seiner Natur verliert der Mensch für eine gewisse Zeit das Bewusstsein seines Einsseins mit Gott.
 
Mit fortschreitender Evolution gewinnt er sein verloren gegangenes Bewusstsein wieder; dies wieder zu erlangen ist das Ziel allen spirituellen Strebens.

4. Der Zweck menschlichen Daseins ist Wachstum.

Das Wachstum besteht einerseits in der allmählichen Entfaltung der dreifachen spirituellen Kräfte aus ihrem latenten Zustand zu ihrer vollen Wirksamkeit; andererseits in der Entwicklung der vier stoffl ichen Träger und zwar so, dass in ihnen die dreifältigen spirituellen Qualitäten voll zur Manifestation
gelangen. Der wahre Zweck der Religionen besteht darin, dem Menschen bei der Erreichung dieses Zieles behilflich zu sein.

5. Das Ziel menschlicher Evolution ist jenes Maß an Vollkommenheit, wie es im Christentum beschrieben wird als das „Maß der Vollendung in Christus.“ (Eph. 4;13)

Dies impliziert das Erreichen eines vollendeten Status von Allmacht oder vollendeter Willenskraft; Allgegenwart oder vollendeter allumfassender Liebe; Allwissenheit oder allumfassendem Wissen.
 
Das Erreichen dieser Vollkommenheit ist absolut gewiss für jeden Menschen. Dem Gebot „Ihr sollt vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist“, werden buchstäblich alle Menschen
Folge leisten.

6. Jenseits dieses Zustands menschlicher Vollkommenheit gibt es ein noch höheres Stadium übermenschlicher Vollendung; jenseits davon gibt es einen Stufenweg zu der geistigen Höhe des Logos selbst.

Der Logos ist der Schöpfer, Erhalter und Wandler aller Welten und der geistige Ursprung aller Menschen. Er selbst ist in der Entfaltung begriffen, zusammen mit Seinem ganzen System und allem, was es enthält, einem Ziele zu, das jenseits des Verstehens des sterblichen Menschen liegt.

Da der Mensch ein Gott im Werden ist, sind seine zukünftige Herrlichkeit, seine Weisheit und Macht ohne Grenzen.

7. Das Ziel menschlicher Vollkommenheit wurde bereits von Menschen erreicht.

Solch vollkommene Menschen sind als Adepten und Meister der Weisheit bekannt.

8. Diese übermenschlichen Wesen bilden die innere Regierung der Welt und sind die wahren geistigen Lenker, Lehrer und Inspiratoren der Menschen.

Sie sind die hehre Körperschaft jener „Gerechten und Vollkommenen“, die „Gemeinschaft der Heiligen“.

9. Das Ziel menschlicher Vollendung wird erreicht durch aufeinander folgende Inkarnationen in stofflichen Trägern (Hüllen), die jedesmal während der vorgeburtlichen
Phase des folgenden Lebens neu gebildet werden.

10. Wiederholte Inkarnationen haben zum Ziel, die latenten Kräfte des sich entwickelnden Gottes, der der Mensch ist, hervorzubringen.

Zweck und Wirkung wiederholter physischer Existenz ist Erziehung [d. h. Hervor-Ziehung] im wahrsten Sinne des Wortes.

Ist das erreicht, so ist Wiederverkörperung [auf der physischen Ebene] nicht mehr notwendig; aller weiterer Fortschritt kann in überphysischen Welten erfolgen. „Wer überwindet, den werde ich zum Pfeiler im Tempel meines Gottes machen, und er soll nicht mehr herausgehen.“ (Bibel)

11. Alle Inkarnationen sind miteinander verbunden durch das stets wirkende Gesetz von Ursache und Wirkung oder ausgleichender Gerechtigkeit.

All unsere Handlungen, Gefühlsregungen und Gedanken erzeugen ihre eigene natürliche und ihnen entsprechend Reaktion. Diese Reaktionen können sofort erfolgen, später im selben Leben oder in nachfolgenden Inkarnationen. Auf dieses Gesetz wird Bezug genommen in der Textstelle; „Was immer der Mensch sät, das wird er ernten.“ Das Sanskrit-Wort „Karma“ bezeichnet das Wirken dieses ewigen Gesetzes.

12. Handlungen, denen die Erkenntnis der Einheit zugrunde liegt und die motiviert sind durch Liebe, Dienen und Selbstlosigkeit erzeugen Freude, Gesundheit und eine zunehmende Freiheit der Selbstverwirklichung, die den Handelnden zur Wiederholung anregen.

13. Handlungen, die auf Getrenntheit basieren und durch Abneigung, Gier und Egoismus motiviert sind, erzeugen Schmerz, schlechte Gesundheit, eine zunehmende Beschränkung
im Selbstausdruck, was den Handelnden von einer Wiederholung abbringt. So leitet das Gesetz die Menschen hin zur Rechtschaffenheit.

Freude oder Schmerz im Leben werden in ihrer Intensität bestimmt durch den Grad, in dem selbstische oder selbstlose Motive im Handeln Ausdruck fanden.

Leiden ist weder eine Bestrafung, die von oben auferlegt wurde, noch eine Widrigkeit des Zufalls, es ist selbst auferlegt und dazu bestimmt, den Handelnden sich seiner Übertretungen bewusst werden zu lassen; daher ist es in Zweck und Wirkung wahrhaft wohltätig und erzieherisch.

14. Der geistige Mensch, der seine vier Körperhüllen bewohnt, ist sich des Wirkens dieses erzieherischen Gesetzes stets bewusst und erwirbt schließlich nach und nach Erkenntnis, Weisheit, Kraft und Charakter.

Diese bilden den einzig wahren und ewigen Besitz des Menschen. Es sind die „Schätze im Himmel, die weder Motten noch Rost fressen.“

Aller materieller Besitz und zeitliche Macht gehen dahin, und das ausschließlich darauf gerichtete Streben ist gänzlich vergebens.

15. Das Wirken des Gesetzes der ausgleichenden Gerechtigkeit bildet die einzige Kontrolle und das einzige Gericht, dem der Mensch jemals unterworfen ist.

Der Mensch schafft sein Schicksal durch seine eigenen Handlungen, und innerhalb dieses Gesetzes ist er absolut und bedingungslos frei.

Der Mensch ist keiner äußeren geistigen Autorität oder Macht unterworfen. Jegliche Religion, die auf Furcht vor oder dem Wunsch nach Begünstigungen von einem äußeren Gott basiert, ist falsch.

16. Es gibt eine geistige Alchemie, durch die gegensätzliche Kräfte, die aus selbstsüchtigen Handlungen entspringen, verringert oder sogar aufgelöst werden können, und zwar durch bewusste Aktivierung von Energien und das In-Kraft-Setzen von Taten, die durch Liebe motiviert sind.

Liebe ist der wahre Stein der Weisen, Dienen der alchemistische Prozess, durch den niedere menschliche Eigenschaften und die Schmerzen der Widrigkeit in das reine Gold geistiger Kraft und geistigen Glücks verwandelt werden können.

17. Diese Alchemie des Geistes kann bei der Heilung von Krankheit vom Leidenden selbst praktiziert werden und ist die wahre Wissenschaft geistigen Heilens …

18. Der Prozess der Umwandlung von Defiziten in der Natur des Menschen in ihre vollkommenen Gegenstücke kann bewusst angewandt werden, um den Evolutionsprozess
zu beschleunigen.

Das Ziel der Vervollkommnung, das alle Menschen in weit entfernter Zukunft erwartet, kann damit in vergleichsweise kurzer Zeit erreicht werden.

19. Diese spirituelle Lebensführung bildet den kurzen und schmalen Pfad im Christentum, den edlen achtfachen Pfad im Buddhismus und den Pfad auf des Messers Schneide im Hinduismus. Es ist der Weg zum Heil, zu Nirvana oder zur Befreiung.

Das Leben Christi, wie in den Evangelien geschildert, ist eine dramatische Darstellung der Erfahrungen der Seele auf diesem Pfad.

Die Bergpredigt, die Lehren Lord Buddhas und die indische Schrift, die als Bhagavad Gita bekannt ist, beschreiben die Lebensführung, die notwendig ist, um Vollkommenheit zu erreichen.

20. Der Pfad schneller Entfaltung ist heute wie in alten Tagen offen: er kann nur beschritten werden durch Reinheit des Lebens und selbstloses Dienen dem göttlichen Willen gegenüber: es ist der Weg, der zu Gesundheit, Glück, Vollkommenheit und ewigem Frieden führt.

*******

I. Der Ursprung der Krankheit
Krankheit ist der natürliche Begleiter der Unvollkommenheit; sie wohnt der Natur des Sonnensystems inne sowie der Lebenskraft und dem Bewusstsein innerhalb dieses Systems; andernfalls gäbe es sie nicht.

Ebenso wie das ganze System in der Evolution begriffen und gegenwärtig unvollkommen ist, ist Krankheit auf irgendeinem Planeten nur der Ausdruck von Unvollkommenheit in dem einen oder anderen Naturreich. Wenn man sie zurückverfolgen könnte, würden Krankheiten im Mineralreich gefunden werden, ebenso wie sie bereits im Pfl anzen-, Tier- und Menschenreich gefunden wurden.

Das Studium einzelner Fälle und individueller Handlungen, die das Krankheitskarma erzeugen, sollte uns nicht blind gegenüber der Tatsache machen, dass in den frühen Stadien der Evolution Krankheit ein universelles Phänomen ist.

Hinter jeder Krankheit des Körpers liegt eine Krankheit des Bewusstseins, die Ausdruck und Eingang in jeder Erscheinungsform der Krankheit hat. Alle Krebspatienten oder jegliche andere Personengruppe, die mit ein und derselben Krankheit behaftet ist, stehen miteinander in Beziehung durch die Ähnlichkeit ihrer Krankheit. Volles Verstehendes Wirkens von Karma wird nicht durch das Studium von Einzelfällen allein erreicht werden, mögen solche Studien auch wertvoll und notwendig sein. Gruppenkrankheit und Gruppenkarma müssen ebenso untersucht werden.

Krankheit ist der Natur innewohnend und wird es auch in Zukunft sein, bis ein gewisses Maß an Vollkommenheit erreicht ist. Die Aufgabe des Heilenden ist es, die Evolution des Einzelnen und der Gruppe zu beschleunigen, so dass jenes Ziel schneller herbeigeführt werden kann. Krankheit als ein Ausdruck der Stimme der Natur, welche auf Gesetzesüberschreitung aufmerksam macht, fördert dieses Ziel. Gäbe es sie nicht, so würde das Erreichen von Vollkommenheit auf lange Sicht verzögert werden.

Daher muss der Heiler aufhören, Krankheit als ein Übel anzusehen, vielmehr ist sie eine Erscheinung oder Manifestation eines Aspekts evolvierenden Gruppenbewusstseins, unter dem Wirken gewisser Gesetze, die darauf ausgerichtet sind, das höchst mögliche Gute hervorzubringen. Er darf jedoch nicht in den Irrtum verfallen, zu dem der Philosoph neigt, nämlich dem des Nichthandelns als Resultat philosophischen Wissens. Er muss Leiden lindern, soweit es in seiner Macht steht, aber auch erkennen und die Leidenden lehren zu erkennen, dass Krankheit, selbst in ihrer scheinbaren Grausamkeit, im wesentlichen wohltuend hinsichtlich ihres Zweckes ist. Auf den Felsen dieses Wissens müssen Forschung und Praxis gegründet sein.

Die Getrenntheit von Planeten und Sonnensystemen in Zeit und Raum ist eine Illusion. Der Kosmos ist ein ungetrenntes Ganzes. Die Eigenschaften der Natur auf einem einzelnen Globus sind nicht separate
Qualitäten jenes Globus, sondern gehören zum ganzen Kosmos. Zum Beispiel existiert keine tatsächliche Trennung zwischen Mond- und Erd-Evolution. Beide sind wesentliche Teile eines gemeinsamen Ganzen. Wenn man jedoch den Ursprung der Erdevolution zurückverfolgen würde, so würde man ihn im Mond finden, doch selbst dann würde man der Lösung des Problems nicht näher kommen. Der Forscher darf die Lösung nicht in Begriffen von Zeit und Raum und Getrenntheit suchen; vielmehr muss er das Sonnensystem als ein evolvierendes Ganzes in den Blick fassen.

Allein von diesem Gesichtspunkt aus vermag man die Erscheinungen eines seiner Teile zu verstehen und eine Philosophie darzulegen, die vollkommen und unangreifbar ist.

Karma wandert mit der Lebenswoge von Globus zu Globus, von Kette zu Kette, und bindet Pläne, Systeme, Universen und Welten. Karma ist das fundamentale Gesetz hinter ihnen allen. In Begriffen absoluten Seins ist es ohne Attribute. In manifestierten Welten besitzt es die Eigenschaft des Wohltuns; es übt einen ständigen Druck aus in Richtung des höchsten Guten und wirkt hin auf die Erreichung des Ziels.

Wenn Systeme, Ketten, Globen und ihre Bewohner dem Ziel näher kommen, wird Krankheit verschwinden. Im Laufe dieses Prozesses wird Krankheit subtiler und weniger dicht-physisch sein; sie wird sich mit der Evolution des Lebens und des Bewusstseins, in denen sie zum Ausdruck kommt, verändern, Das Studium der Ursachen, der Zwecke und Heilmethoden der Krankheit und die Umsetzung der Ergebnisse werden somit die Evolution der Menschheit fördern.

II. Die Grundursache der Krankheit
Die grundlegende Ursache in jedem individuellen Krankheitsfall liegt in einem Widerstand gegenüber dem Recht des [höheren] Egos (des inneren unsterblichen Herrschers, der der wahre Mensch ist), seine Persönlichkeit zu regieren (die zeitliche Manifestation des Egos in Form von Denken, Fühlen und Handeln) und eine Weigerung, auf die Stimme des Gewissens zu hören.

Bei dieser Grundursache lassen sich zwei Kategorien unterscheiden. Die erste stellt jene Art von Karma dar, das aus Säumigkeit der Persönlichkeit resultiert und einem absichtlichen Verschließen der Ohren gegenüber der Stimme des höheren Selbstes. Daraus entspringt unrechtes Tun – jene Handlungen, die dem fundamentalen Prinzip der Einheit zuwiderlaufen.
 
Die andere Ursache ist das Karma, das aus der Unerfahrenheit des Egos resultiert und seinem Unvermögen, die Persönlichkeit in der rechten Weise zu lenken. Dies führt zu Sünden der Unterlassung, der Nachlässigkeit und der fehlenden Selbstdisziplin sowie der mangelnden Bereitschaft zur Hilfeleistung. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es viele Varianten, die eine Mischung beider darstellen, bei der die eine oder andere vorherrschend ist.

Unrechte Handlungen erzeugen Krankheit, während unterlassene Handlungen eine Disposition zur Krankheit hervorbringen; letzteres kann zu akuten physischen Beschwerden führen, muss aber nicht
zwingend: sie zeigen sich insbesondere als Mängel des Charakters, als Fehlen jener Eigenschaften, die für ein gesundes Leben Voraussetzung sind.

Beispiele, die ausschließlich für eine der beiden Gruppen zutreffen, sind äußerst selten, sie treten meist in Kombination auf. Diese Einteilung wird jedoch als ein nützlicher Leitfaden für die Behandlung
dienen.

Was die beiden Gruppen von unrechtem Handeln oder auch unterlassenem Handeln betrifft, so hat es den Anschein, dass die erste Gruppe auf eine physische Behandlung anspricht, während die zweite Art psychologische Methoden erfordert.

Da meist beide Typen in Kombination auftreten, müssen im Allgemeinen beide Methoden kombiniert werden, je nachdem wie es die Situation des Patienten erfordert.

Alle Menschen haben ein latentes Krankheitskarma, da sie auch unentwickelte Qualitäten und Charaktereigenschaften besitzen.

Das Vorhandensein latenter Krankheit bildet eine stete Quelle der Gefahr. Die Entwicklung der Medizin muss daher auf die Vervollkommnung vorbeugender Maßnahmen gerichtet sein.

Das Erziehungssystem der Zukunft wird Anstrengungen in dieser Richtung umfassen, der Lehrplan wird so ausgerichtet sein, dass er die Charaktereigenschaften tilgt, die [übles] Karma produzierende Taten ermöglichen, und dass der einzelne geschult wird, Energien entgegenzusetzen, die jenes Karma modifi zieren und schließlich neutralisieren; darüber hinaus werden physische Maßnahmen angewandt werden, um latente Krankheit im physischen Körper auszuschalten. Wir mögen schließlich zu dem paradoxen Axiom gelangen, dass Krankheit kuriert werden muss, bevor sie ausbricht, denn die Behandlung des Kindes muss auf die Ausmerzung latenter Krankheit ausgerichtet sein.

In jenen Fällen, wo das akut wirkende Karma so schwer ist, dass offensichtlich jegliche Bemühungen unwirksam sind, sollten die Behandlungen trotzdem stetig fortgesetzt werden, sogar bis zum Lebensende. Solche Behandlungen und besonders solche Anstrengungen, die der Patient unternimmt, selbst wenn sie keinen Erfolg zu haben scheinen, sind faktisch eine Prophylaxe [Vorbeugung] für spätere Inkarnationen.

Obwohl der gegenwärtige von Krankheit heimgesuchte Zustand der Menschheit es erfordert, dass die medizinische Forschung auf die Heilung der Krankheit selbst ausgerichtet ist, so sollte dies jedoch als eine zeitlich begrenzte Phase betrachtet werden. […]

Krankheit wird niemals durch medizinische Behandlung allein von der Erde verbannt werden, sondern vielmehr durch den Fortschritt spirituellen und okkulten Wissens, welches zur Erkenntnis vorhandener
latenter Krankheit und Maßnahmen zu ihrer Ausmerzung führen wird.

Karma kann aufgespürt, verändert und sogar neutralisiert werden, bevor es physisch als aktive Krankheit in Erscheinung tritt. Letztendlich sind allein spirituelle Kräfte und spirituelle Erkenntnis in der Lage, Krankheiten zu heilen.

Die vielen scheinbar physischen Heilungen, die die medizinische Wissenschaft nun erwirkt, ereignen sich nur in den Fällen, in denen das Karma erschöpft ist. Im Falle anderer karmischer Bedingungen wird die medizinische Wissenschaft unausweichlich scheitern.

III. Überphysische Ursachen und ihre Gegenmittel

Während kleinere Krankheiten, die durch Infekte ausgelöst werden,
nicht notwendigerweise einen überphysischen Ursprung haben, weisen
chronische Krankheiten immer einen nicht-physischen Aspekt
auf. Ihr Ursprung mag bis in den Mentalköper reichen. Solche tief
verwurzelten Krankheiten können in vielen Inkarnationen auftreten.
Ihr Ursprung liegt in Handlungen, die absichtlich bestimmte Aspekte
der Wahrheit leugnen – Handlungen, an denen festgehalten wird trotz
besseren Wissens, dass sie unrecht sind.
Ein Beispiel dieser Art kann in der unmenschlichen Grausamkeit gefunden
werden, die für die Herrscher und deren Untergebene in der
Frühzeit gewisser Kulturen charakteristisch war. Solche Grausamkeit
war ein Überbleibsel des wilden Status, aus dem die Betreffenden
sich, wenn auch vor nicht allzu langer Zeit, herausentwickelt hatten.
Sie hatten eine Stufe erreicht, auf der die Stimme des höheren Selbst
bereits vernehmbar war. Insofern als sie, nachdem sie in ein zivilisierteres
Stadium eingetreten waren, weiter an einem Verhalten festhielten,
das aus karmischer Sicht für den Wilden relativ harmlos war,
ignorierten sie nun die Stimme des höheren Selbst.
Jene Stimme spricht im Namen der Einheit [allen Lebens], und das
ist eine fundamentale Wahrheit. Grausamkeit leugnet diese Einheit.
Gleich in welcher Form, das Karma solchen Tuns trifft Geist und Körper.
Grausamkeit in der einen oder anderen Art ist die häufi gste Ursache
der Krankheit. Das ist auch der Grund, warum Krankheit oft so
grausam scheint.
Das größte Gegenmittel gegen jegliche Art von Krankheit ist die Anerkenntnis
der Einheit [des Einsseins] und ihrem entsprechenden Ausdruck
im Leben durch Liebe und Dienen. Allen Leidenden sollte daher
das fundamentale Gesetz der Einheit gelehrt werden, und sie sollten
angeregt werden, Liebe zu entwickeln und aus ihr heraus zu leben.
Dies ist vielleicht die einfachste Methode, die metaphysischen Aspekte
der Heilungsprozesse einfl ießen zu lassen, die in der physiologi

schen Behandlung ebenfalls angewandt werden. Die große Mehrheit
der Leidenden bedarf einfach der Liebe als der Eigenschaft, die zu
entfalten ist – einer Unterweisung, Sympathie und Zuneigung über die
ganze Welt auszustrahlen, besonders auf jene in ihrer unmittelbaren
Umgebung.
In dieser Richtung wird Krankheit letztendlich geheilt werden. Der
Leidende wird entweder durch Meditation den Charakterfehler entdecken,
der ihn Handlungen begehen ließ, die das Karma heraufbeschworen,
oder er wird einen spirituellen Lehrer konsultieren und
dann in sich gehen, um die erforderliche Eigenschaft zu entwickeln
und zu lernen, ihr Ausdruck zu geben.
Massenheilung basiert auf dem Wirken dieses Prinzips und wird wahrscheinlich
in naher Zukunft verstärkt Anwendung fi nden.
Eine große Zahl Leidender wird sich unter einem geistigen Lehrer
zusammenfi nden, der sie lehren wird, ihre eigenen inneren Kräfte
freizusetzen und die fundamentalen Eigenschaften der menschlichen
Natur zu entwickeln, die ihnen fehlen. Der Einzelne und die Massen
müssen aus der Krankheit heraus erzogen werden. Ihr Werte-Verständnis
muss sich ändern. Das intensive Streben und starre Festhalten an
der physischen Existenz resultiert aus einem falschen Sinn für Werte.
Dieses Verlangen, durch Täuschung entstanden, ist eine andere Grundursache
von Krankheit.
Bei Menschen des Westens entgleitet die Persönlichkeit zeitweilig
der Kontrolle ihres höheren Selbstes infolge der enormen Intensität,
mit der sie sich an den physischen Plan heften und nach physischem
Erfolg streben. Dadurch, dass sie mit glühendem Eifer physischen
Vergnügungen und Errungenschaften nachjagen, wird das Bewusstsein
nach außen auf die Physis konzentriert, die für sie den höchsten
Platz auf der Skala lebenswichtiger Werte einnimmt. Diese Haltung
gilt es umzulenken, und der geistig Heilende wird daher versuchen,
(beim Patienten) Gleichmut und eine Loslösung von den Gegenständen
der Sinne zu erwirken und eine Anerkenntnis des wahren Zieles
menschlicher Existenz.

len Faktoren, die den Körper bilden. Im Falle aktiver Krankheit hat
das Karma, das als emotionales und ätherisches Gift eingefl ossen ist,
diesen Basis-Organismus geprägt und ihn aus einem gesunden in einen
kranken Zustand gewandelt. Diese Veränderung wird durch eine
Interferenz mit dem atomischen Gefüge hervorgerufen, durch welches
der Organismus gebildet, genährt und erhalten wird.
Dieser Wechsel beeinfl usst und verändert dessen Funktionen, so
dass er, statt aufzubauen und zu erhalten, schädigend wirkt. Ähnlich
wirkt Krankheitskarma auf die Substanz des Emotional- und des
Ätherkörpers, die mit den entsprechenden Atomen im physischen
Körper korrespondieren; es wandelt deren Lebensatome zu ungesunden
Gliedern im Körperverbund. Die Veränderung in der emotionalen
Substanz fi ndet automatisch Ausdruck im ätherischen und schließlich
im physischen Körper. … Die Veränderung ist daher natürlich und erfolgt
in allen Hüllen im selben Körperteil.
Karma fi ndet seinen Täter und bringt seine Wirkungen mit unfehlbarer
Genauigkeit Leben für Leben hervor. Die Verbindung zwischen
mentalem, emotionalem und physischem Körper der Inkarnation, in
der das Karma verursacht wurde, und den karmisch belasteten Körpern
der folgenden Inkarnationen liegt im permanenten Atom, in dem
das Karma gespeichert ist (s. A. Besant, Eine Studie des Bewusstseins).
Das permanente Atom entlässt sein Wohl und Wehe, wenn das Gesetz
der Resonanz die ihm zukommende Funktion ausführen lässt.
Das Leben des Menschen entfaltet sich in einer Reihe kleinerer Zyklen
von jeweils sieben Jahren, und jeder Zyklus hat sein entsprechendes
Karma, wohltätig oder widrig. Das Krankheitskarma wird in
demselben kleineren Zyklus freigesetzt, in dem die Handlung, die es
verursachte, einst geschah. Jeder Zyklus ist in der Tat eine Mini-Inkarnation.
Setzen sich die Handlungen von einem zum anderen Zyklus
fort, so wird es auch die Krankheit tun. Dieses Gesetz wird jedoch
modifi ziert, wenn durch den Handelnden von innen her Kräfte in der
Richtung aktiviert werden, dass sie das Karma modifi zieren. Auf diese
Weise können zwanzig Jahre der Übertretung karmisch aufgewogen
Ausschließlich animalisches Gefühlsleben und ein Sich-Gehen-Lassen
ist in seinen karmischen Folgen für den physischen Körper in den
frühen Stadien der Evolution weniger gravierend als in den späteren,
wenn Wissen von der wahren Bedeutung des Lebens erworben wurde.
Der Grad, in dem durch eine Handlung die Stimme des Gewissens
geleugnet wird, ist der entscheidende Faktor, der Heftigkeit und Ausmaß
der Krankheit bestimmt. Daher muss der Entwicklungsstand der
Patienten beachtet werden, will man versuchen, Art und Ausmaß der
karmischen Verpfl ichtungen zu entdecken.
Die Fähigkeit, karmische Verpflichtungen von der Krankheit her
zu beurteilen, und das Maß, in dem sie [bereits] erfüllt sind, kann entwickelt
werden. Eine Klassifi zierung der Arten von Karma und der
entsprechenden Krankheiten kann von größtem Nutzen sein. Zu Beginn
der Forschungen mag Hellsehen zwar nützlich sein, doch ist es
keineswegs wesentlich. Die weit verbreitete Fähigkeit einer intuitiven
Diagnose, angewandt auf die überphysischen und moralischen Bereiche,
wird sich als völlig ausreichend erweisen.
IV. Krankheitskarma – wie wirkt es sich aus?
Ebenso wie es einen Grundirrtum als Quelle aller gegenläufi gen (negativen)
karmischen Reaktionen gibt, so gibt es eine Grundkrankheit,
die die Wurzel jeglicher Krankheit ist. Der grundlegende Irrtum hinter
allen Einzelirrtümern ist der Egoismus; Egoismus wiederum kommt
aus dem Unvermögen, Einheit zu erkennen und ist demzufolge das Ergebnis
des Getrenntheitsbewußtseins. Das grundlegende Karma hinter
jeglichem Krankheitskarma hat daher seine Ursache im Bewusstsein
der Getrenntheit. Getrenntheitsbewusstsein ist die Wurzel jeglichen
Fehltritts, gleich ob Karma entsteht oder nicht.
In gleicher Weise gibt es ein Gift an der Basis, das alle Krankheit
erzeugt, ebenso wie es einen Basis-Organismus gibt, der die Krankheit
in den physischen Körper leitet; dieser Organismus ist der nächst
dichtere Agent von Karma; dieses hat bereits in den feinerstoffl ichen
Reichen gewirkt, bevor die niederen Regionen befallen wurden. Jener
Basis-Organismus ist in jedem präsent und ist einer der fundamenta

len Faktoren, die den Körper bilden. Im Falle aktiver Krankheit hat
das Karma, das als emotionales und ätherisches Gift eingefl ossen ist,
diesen Basis-Organismus geprägt und ihn aus einem gesunden in einen
kranken Zustand gewandelt. Diese Veränderung wird durch eine
Interferenz mit dem atomischen Gefüge hervorgerufen, durch welches
der Organismus gebildet, genährt und erhalten wird.
Dieser Wechsel beeinfl usst und verändert dessen Funktionen, so
dass er, statt aufzubauen und zu erhalten, schädigend wirkt. Ähnlich
wirkt Krankheitskarma auf die Substanz des Emotional- und des
Ätherkörpers, die mit den entsprechenden Atomen im physischen
Körper korrespondieren; es wandelt deren Lebensatome zu ungesunden
Gliedern im Körperverbund. Die Veränderung in der emotionalen
Substanz fi ndet automatisch Ausdruck im ätherischen und schließlich
im physischen Körper. … Die Veränderung ist daher natürlich und erfolgt
in allen Hüllen im selben Körperteil.
Karma fi ndet seinen Täter und bringt seine Wirkungen mit unfehlbarer
Genauigkeit Leben für Leben hervor. Die Verbindung zwischen
mentalem, emotionalem und physischem Körper der Inkarnation, in
der das Karma verursacht wurde, und den karmisch belasteten Körpern
der folgenden Inkarnationen liegt im permanenten Atom, in dem
das Karma gespeichert ist (s. A. Besant, Eine Studie des Bewusstseins).
Das permanente Atom entlässt sein Wohl und Wehe, wenn das Gesetz
der Resonanz die ihm zukommende Funktion ausführen lässt.
Das Leben des Menschen entfaltet sich in einer Reihe kleinerer Zyklen
von jeweils sieben Jahren, und jeder Zyklus hat sein entsprechendes
Karma, wohltätig oder widrig. Das Krankheitskarma wird in
demselben kleineren Zyklus freigesetzt, in dem die Handlung, die es
verursachte, einst geschah. Jeder Zyklus ist in der Tat eine Mini-Inkarnation.
Setzen sich die Handlungen von einem zum anderen Zyklus
fort, so wird es auch die Krankheit tun. Dieses Gesetz wird jedoch
modifi ziert, wenn durch den Handelnden von innen her Kräfte in der
Richtung aktiviert werden, dass sie das Karma modifi zieren. Auf diese
Weise können zwanzig Jahre der Übertretung karmisch aufgewogen 
werden durch fünf, drei, zwei oder gar ein Jahr neutralisierender Anstrengungen.
Die Arbeit des Egos besteht darin, Charakterqualitäten zu entwickeln
und Kräfte freizusetzen, die den Irrtümern der Persönlichkeit entgegenwirken.
Dies geschieht umso wirksamer, je besser die Persönlichkeit
kooperiert; darin liegt der Wert erzieherischer Therapien. Jegliche
Therapie sollte erzieherisch wirken, denn wie wir gesehen haben,
kann dem Karma begegnet und es unwirksam gemacht werden, ehe es
körperliche Auswirkungen zeitigt. Der wissenschaftliche Einsatz neutralisierender
Kräfte durch das Ego macht dieses scheinbare Paradox
möglich. […]
Man kann sich karmische Kräfte in den Begriffen der Spektralfarben
vorstellen. Eine Farbe kann weiß werden und somit buchstäblich verschwinden,
wenn sie auf ihre Komplementärfarbe trifft und mit ihr
verschmilzt. Gegenkräfte können unwirksam gemacht werden durch
das Gleichgewicht der polar entgegengesetzten Kräfte.
Aus diesem Grunde ist eine tiefergreifende Studie über Krankheitskarma
nötig, so dass Wissen erlangt wird
1.) über den Typus der Energie, die hinter einer jeden Krankheit
steht,
2.) über die Energie, durch die sie neutralisiert werden kann.
All dies mag außerhalb der persönlichen Sphäre geschehen. Es ist
eine Form spiritueller Alchemie, die der Weisheit einer zukünftigen
Menschheit angehören wird. Sie kann nicht wirksam werden, solange
das Bewusstsein der Getrenntheit herrscht. Voraussetzung des Gelingens
ist es, dass das Getrenntheitsbewusstsein bis zu einem gewissen
Grad überwunden ist. Einigkeit [Einssein] ist die große Prophylaxe;
wenn das Ego dahin gelangt, so durchdringt dessen Kraft die Hüllen
der Persönlichkeit und macht sie immun gegen chronische Krankheit;
sie [diese Kraft] gehört der Ebene der Weisheit an, von der es heißt,
dass sie „mächtig und sanft (sweet) alle Dinge ordnet.“ Die Lebenskraft

aus jener erhabenen Ebene umgibt und durchdringt jedes Atom jeder
Hülle, sie bildet die Matrix. Als Folge einer intensiven persönlichen
Erkenntnis erfolgt in weit gesteigertem Maß eine Herabkunft dieser
spirituellen Heilenergie, die das wahre Gegenmittel jeder Krankheit
ist.
Die Heilmittel, die der Mensch heute verwendet, entsprechen dem
Stand seiner Entwicklung. Die Endepoche der menschlichen Evolution
auf Erden wird einen Menschen vorfi nden, der frei von Krankheitskarma
ist. Er wird im Bewusstsein der Einheit aufgehen mit allem,
was lebt, mit Jenem, das hinter und in allen Dingen ist. Das Zeitalter,
das jetzt zu Ende geht, ist das Zeitalter dichten Materialismus, obwohl
in diesem Zeitalter, im Lauf der Zyklen, die Heilmittel immer weniger
materiell werden, bis sie zuletzt ihrer Natur nach völlig spirituell
sind.
Veränderungen und Modifizierungen dieses Grundprinzips stufenweiser
Verfeinerung, sowohl der karmischen Prozesse wie auch der physiologischen
Behandlung, erfolgen des öfteren. Krebs z. B. ist solch
eine Ausnahme-Modifizierung, da er beschleunigt über die Menschheit
freigesetzt wurde, um schneller karmische Hindernisse auszuräumen
und um eine besondere Ankurbelung und Beschleunigung in der
Entfaltung von Bewusstseinsprozessen herbeizuführen. Dies wurde
dadurch möglich, dass gewisse Glieder der menschlichen Familie,
welche Vollkommenheit erreicht hatten und deren Fortschritt außergewöhnlich
schnell erfolgte, bereit waren, den verdienten Lohn ihres
Erfolges zu opfern, um die ganze Menschheit an dem wohltätigen
Karma ihrer guten Taten und dem von ihnen Erreichten teilhaben zu
lassen. […]
Der Mensch steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters und muss die
Kluft zwischen den Methoden des materiellen und denen eines feinerstofflichen
Zeitalters, das nun beginnt, überbrücken. Anzeichen dieses
Wandels lassen sich vielerorts erkennen. Die Wissenschaft selbst bewegt
sich von einer (rein) materiellen zu einer feinerstofflichen Konwerden

zeption. Am Ende wird sie weiter zum Spirituellen vordringen; dann
werden Wissenschaft und Religion wieder als eins erkannt werden.
Die großen Gegner, die sich schon annähern, werden Verkörperung
und Ausdruck des fundamentalen Prinzips der Einheit sein, die zu erkennen
die ganze Richtung der Evolution langsam ihren Weg emporwindet.
Die Heilmethode der unmittelbaren Zukunft ist schwer zu erreichen,
denn die gegenwärtige Situation zwingt den Menschen, einen Kompromiss
zu akzeptieren.
Ein Höchstmaß an Anpassungsfähigkeit im Denken und Handeln
sind jetzt wesentlich. Der Geist der Weisheit sagt allen, die glühend
nach einer Lösung der gegenwärtigen Probleme, die die Menschheit –
physisch, mental und spirituell, bedrängen:
„Haltet den Blick fest auf jene spirituelle Alchemie gerichtet,
durch welche Missgeschick letztendlich in Kraft gewandelt wird:
durch das universelle Lösungsmittel, das die Liebe ist. Richtet eure
Energien auf die Entwicklung von Methoden, die den Menschen
helfen, ihr widriges Karma der Jetztzeit (in der Liebe selten und
die Erkenntnis der Einheit auf die Wenigen beschränkt ist) durch
Liebe zu neutralisieren. Arbeitet für eine universale Bruderschaft,
und sichere Führung wird euch gegeben werden. Die Annahme
der Bruderschaft als fundamentales Leitprinzip in allen menschlichen
Beziehungen wird der Menschheit durch die gegenwärtige
schwierige und gefährliche Übergangsperiode hindurch helfen.
Entwickelt immer vollkommenere Methoden der Kooperation
zwischen dem Spirituellen und dem Materiellen, zwischen Religion
und Wissenschaft, zwischen der Kirche, dem Laboratorium
und dem Behandlungszimmer. Bedient Euch höchst frei all der
spirituellen Hilfe, die zu geben in den Kräften der Religion liegt,
denn das Fundament, auf dem alle Religion gründet, ist Einheit.
Das Leben jedes Wissenschaftlers wie auch des Kirchenmannes
muss auf Einheit gegründet sein, die ihren Ausdruck in der Bruderschaft,
im Dienst und in der Liebe findet. Allein auf diese Weise
kann die Suche nach Wahrheit, sei sie spirituell oder materiell, zu
vollem Erfolg führen.“

V. Latente Krankheit
In allen Studien, die sich mit dem Menschen befassen, ist man gut
beraten, sich der Prinzipien zu erinnern, die die Entstehung eines Universums
oder eines Sonnensystems regieren. Als erstes wird das Feld
der Evolution umrissen und gleich einer Insel von allen anderen Feldern
abgeschirmt. Dann ergeht vom Logos das schöpferische Wort,
dessen Klänge – in der Art schwingender Kraft – alles enthält, was ER,
der Logos, innerhalb Seiner Selbst enthält.
Das Universum ist [daher] Gott, objektiv geworden. Bei seiner Geburt
ist es Gott wiedergeboren, an seinem Ende ist es Gott höher evolviert.
Ebenso ist es mit dem Menschen, der auch der Logos seines Universums
ist. Seine Körperhüllen sind er selbst, nach außen gesetzt, objektive
Manifestationen seiner inneren Fähigkeiten. Selbst seine Umgebung
ist in gewisser Weise eine Repräsentation seiner eigenen Natur.
Die Umgebung eines Menschen hängt nicht so sehr von den objektiven
Erscheinungen ab, aus denen sie scheinbar besteht, als vielmehr
von seiner Beziehung zu diesen Erscheinungen. Nicht einmal bei zwei
Personen ist die Umgebung die gleiche, selbst wenn sie zusammen
wohnen.
Ebenso wie der Logos wiederum in Seinem neugeborenen Universum
lebt, so wird der Mensch stetig wiedergeboren, um sich zu entfalten
durch das Medium seiner Körperhüllen und durch seine Umgebung.
Seine Körperhüllen auf jeder Ebene sind Ausdruck seiner selbst,
Materialisationen seiner Bewusstseinsqualitäten. Alle Substanz, aus
der seine Körper gebildet werden, entspricht bis ins Kleinste dem Zustand
und der Natur seines Bewusstseins. Wenn daher Versuche zeigen,
dass die Krankheit aus der einen oder anderen der feinstofflichen
Hüllen entspringt, so sei daran erinnert, dass damit nur der äußere
Aspekt der Krankheit entdeckt worden ist. In Wirklichkeit hat alle
Krankheit ihre Wurzel im Bewusstsein, das gleichermaßen zu studieren
ist, so dass beide Hälften des Themas Gesundheit und Krankheit

zusammenpassen. Der Mensch könnte nicht irren, wenn nicht in seinem
Bewusstsein Samen des Irrtums vorhanden wären, die von einer
früheren Inkarnation herüber gebracht wurden.
Karma ist daher als dual anzusehen; wenn aktiv, so verändert es die
Zusammensetzung und die Natur jeder Körperhülle; es existiert ebenso
auch im Bewusstsein, wo es sich als Charaktermangel, Hang zum
Irrtum oder der Möglichkeit dazu ausdrückt. In dieser Dualität liegt
die Erklärung für latente Krankheit, ebenso die Empfänglichkeit und
Immunität gegenüber Krankheit. Latente Krankheit ist der äußere
Ausdruck einer Schwäche im beseelenden Bewusstsein, eines Defi zits
in der Natur des Egos. Diese latente Möglichkeit muss nicht notwendigerweise
als Krankheit ausbrechen. In gewissen Fällen bietet die
Natur des Karma dem Ego die Gelegenheit, den Mangel zu heilen und
die karmische Schuldigkeit ganz auf der Ebene des Bewusstseins auszugleichen.
Dies mag ihm dadurch gelingen, dass es die entsprechende
Tugend entwickelt, die fortan an die Stelle der Charakterschwäche
tritt.
Andernfalls ist das Vorhandensein latenter Krankheit immer eine mögliche
Quelle der Gefahr, da sie den Betreffenden für eine Infektion
empfänglich macht. Es kann auch ein andauernder Zug gegen die Entwicklung
der Persönlichkeit sein oder verborgen an den Lebenskräften
des Körpers zehren. Eine Vielzahl von Menschen von mäßiger, aber
nicht vollständiger Gesundheit, leiden in dieser Weise, obwohl sie
vielleicht niemals akute Krankheit durchmachen. Diese sind besonders
empfänglich für den erzieherischen Aspekt der Therapie, denn,
wie wir gesehen haben, erlauben die Natur und ihr Karma dem Ego,
seinen Verpflichtungen vollständig auf der Ebene des Bewusstseins
gerecht zu werden. Sie müssen ihre inneren Defizite entdecken und
durch die erforderlichen entgegengesetzten Tugenden ersetzen.
Die materiellen Aspekte der Krankheit sind bis heute als die wichtigsten
angesehen worden, und sie stellten tatsächlich den einzigen
allgemein anerkannten und behandelten Aspekt [der Krankheit] dar.

Letztendlich wird einmal der Bewusstseinsaspekt der Krankheit der
einzige sein, mit dem der Heiler befasst ist. Die Materie (Stoff) selbst
wird weiter evolviert sein, und da sie auf diese Weise formbarer ist,
wird sie leichter beeinflussbar sein und reaktionsfähiger auf Änderungen
des Bewusstseins. Ein Ergebnis davon wird sein, dass Defi zite
im Bewusstsein schwerer wiegende materielle Auswirkungen haben
werden, aber es wird den Leidenden auch leichter instand setzen, sich
selbst zu heilen, indem er die nötigen Änderungen in seinem Bewusstsein
herbeiführt.
Die gegenwärtige Periode des Übergangs ist in besonderer Weise interessant,
da sich nun eine Tendenz bemerkbar macht, den Bewusstseinsaspekt
der Krankheit zu erkennen, obwohl viele fortgeschrittene
Denker der Vergangenheit die Entdeckungen gegenwärtiger und zukünftiger
Forschung in dieser Richtung vorausahnten. Die Homöopathie
ist dafür ein herausragendes Beispiel.
Sobald daher medizinische Studien den Lernenden in die Lage versetzt
haben, die Prinzipien des materiellen Aspektes der Krankheit zu
verstehen, mag seine Aufmerksamkeit durchaus auf das Studium der
Krankheit auf der Bewusstseinsebene gelenkt werden. Er wird innerhalb
tieferer Schichten des menschlichen Bewusstseins seltsame Eigenschaften
entdecken, sonderliche Hemmnisse und Blockaden, die
den Aufbau und die Entwicklung seiner verschiedenen Körper beeinflussen 
und modifizieren.
Die Wirkungen dieser tieferen Ursachen der Krankheiten erscheinen
hauptsächlich während der vorgeburtlichen Phase, in der die Körper
gebildet werden; aus dieser Sicht betrachtet, ist alle Krankheit in ihrem
Ursprung vorgeburtlich, denn die Möglichkeit der Krankheit, die im
Bewusstsein existiert, fließt dann in die Körperhüllen ein. Daher sind
die vorgeburtlichen Bedingungen von größter Bedeutung für die Gesundheit
der im Aufbau befindlichen Körper. Karma, dem man durch
Bewusstseinserziehung begegnen könnte und mit wenig oder keinem
Leiden, manifestiert sich durch eine ungünstige vorgeburtliche Umgebung
häufig direkt und ohne Verzug in körperlicher Krankheit.

Eine wichtige Sparte medizinischer Praxis der Zukunft wird in dieser
Richtung entwickelt werden.
Die vorgeburtlichen Bedingungen müssen im Detail studiert werden,
denn viele Leidende könnten vor der Notwendigkeit physischer Krankheit
bewahrt werden durch vorgeburtliche Anwendung vorbeugender
und heilender Maßnahmen. Die sich neu bildenden Körper sind besonders
aufnahmefähig für geistige ebenso wie für materielle Einflüsse.
Obwohl die moderne Zivilisation es größtenteils unmöglich macht,
wäre regelmäßiger Besuch von Gottesdiensten und der regelmäßige
Empfang der Sakramente und geistiger Heilung von unschätzbarem
Wert, sowohl für die Mutter als auch das Kind. In der Kirche der Zukunft
wird es besondere Aktivitäten unter der direkten Inspiration der
Weltenmutter geben (s. Das Wunder der Geburt vom selben Autor),
gewidmet der Hilfe für werdende Mütter und reinkarnierende Egos.
Der Wert solcher Arbeit kann kaum überschätzt werden, noch kann
ihre Wirkung auf die Gesundheit und Physis der Menschheit übertrieben
werden. Während der Schwangerschaftsphase reagieren die Körperhüllen
besonders auf spirituelle Einflüsse, und die Modifizierung
des zugeteilten Karmas lässt sich dann wesentlich leichter erreichen
als nach der Geburt. Das Ego hat einen größeren Einfluss auf die Beschaffenheit
seiner Körper in ihrem embryonalen Stadium, als wenn
der physische Körper bereits geboren ist. Veränderungen, die durch
spirituelle Mittel hervorgerufen werden, können viel leichter in seinen
Körpern Ausdruck finden. Da dies auch die Phase ist, in der Krankheit
in die Körper eingepflanzt wird, sind die Wichtigkeit spiritueller
Unterstützung wie auch einer vollkommen harmonischen Umgebung
während der Schwangerschaft offensichtlich.
Keine Krankheit gibt es oberhalb der Mentalebene, sei es des Planeten,
des Sonnensystems oder des Kosmos. Jenseits dieser Ebene herrscht
Vollkommenheit. Es sind nur graduelle Unterschiede im Entfaltungsprozess
zu finden. Spirituelle Heilung und Erziehung sollten daher darauf
bedacht sein, das Bewusstsein der Persönlichkeit in überpersönliche Reiche empor zu heben. Wenn solche Erhebung erreicht wird, so wird die Vollkommenheit der höheren Welten automatisch in die niederen
Welten reflektiert. Kraft aus dem Reich des Christus-Bewusstseins
oder der göttlichen Weisheit fluten herab in die Persönlichkeit.
Die Eigenschaften göttlicher Weisheit in Denken und Tun zum Ausdruck
zu bringen, ist das sicherste Mittel, Karma zu neutralisieren,
Irrtümer in Gedanken und Emotionen zu korrigieren und alle Hüllen
zu harmonisieren. Jeder Patient könnte sich selbst heilen, wenn er nur
sein Bewusstsein in jenes Reich erheben könnte, dessen Licht und
Kraft herab bringen und es in seinem täglichen Leben manifestieren
könnte.
Der Arzt hat eine dreifache Aufgabe. Er muss die Irrtümer und
Mängel, Missbildungen und Krankheiten des physischen Körpers korrigieren;
in geistiger und emotionaler Hinsicht erzieherisch wirken
und seine Patienten dahingehend schulen, die Heilungskräfte Christi
in ihnen selbst freizusetzen. Dies ist die dreifache Funktion des Heilers,
in ihm selbst [ist er] der Ausdruck des dreifachen Gottes.
Christus ist der große Heiler der Welt; der Christus im Menschen
ist der große, der wahre, der natürliche Heiler der Menschen. Mit Hilfe
des spirituellen Lichtes, das in ihm selbst leuchtet, kann der Mensch
seine Fehler, kann er das Wirken des Gesetzes verstehen, durch das
er leidet. So gestärkt und erleuchtet, kann er die Kraft finden, seine
Mängel und Unzulänglichkeiten zu heilen, und das Wissen um die Erfüllung
dessen, was das große Gesetz fordert. […]1
Fortsetzung folgt
*******
1 Quelle: Geoffrey Hodson: New Light on the Problem of Disease, aus dem Englischen
übersetzt von Charlotte Wegner. [Der englische Text findet sich auch unter der folgenden
URL im Internet: http://hpb.narod.ru/ProblemOfDisease.htm (Stand: 30. November 2009)
Die Red.]


Autor: Geoffrey Hodson