AIƟHP [AITHER] - αɩθɳρ [aither] - AETHER - ÆTHER -
ÄTHER - Ether
(Nachtrag zu Heft 3/2007 der Zeitschrift, S. 116)
Auch ein des (Alt-) Griechischen unkundiger Deutscher wird mit Hilfe der in eckigen Klammern stehenden Umschriften ohne allzu große Schwierigkeiten erkennen können, dass die sechs Wörter der Überschrift miteinander verwandt sind, ja aus derselben griechischen Wurzel erwachsen. Der im Deutschen jüngste Spross dieser Reihe ist „Ether": „Eth..." ist nach der neueren chemischen Nomenklatur die fachsprachliche Schreibweise für alle früher mit „Äth..." wiedergegebenen organischen Verbindungen, z. B. „Ethanol" statt früher „Äthanol" (Brockhaus Enzyklopädie VIII, 212006, Seite 446).
Diese neue Schreibung ist aus dem Englischen übernommen, wo es die Buchstabenfolge „aeth..." (oder „aith...") in der Alltagssprache nicht gibt. „Ether" bezeichnet im Deutschen jetzt also eine bestimmte Art von Kohlenwasserstoff-Verbindungen mit Sauerstoff, deren einfachste der Dimethyl-„Äther" ist.
Die fachsprachliche Festlegung des Wortes „Ether" bereitet Übersetzern englischer theosophischer Literatur eine zusätzliche Schwierigkeit, denn in diesen Büchern wird gern eine Unterscheidung gemacht zwischen der an der englischen Alltagssprache angelehnten Definition von „ether" (= deutsch „Äther"; nicht im chemisch-fachsprachlichen Sinne gemeint!) und der über sie hinausweisenden von „Aither" (auch in den Schreibungen „Æther" oder „Aether"); entsprechende Unterscheidungen finden sich übrigens auch zwischen „cosmos" und „Kosmos".
Versucht der Übersetzer, sich mit „Ether" an das englische Vorbild zu halten, bringt er den unbefangenen deutschen Leser auf die falsche Fährte, nämlich auf den chemischen Fachausdruck; übersetzt er sinngemäß mit „Äther", verbaut er sich die Möglichkeit, einfach durch die Anders-Schreibung die im Englischen getroffene Unterscheidung nachzuvollziehen.
Deshalb bleibt in deutschen Übersetzungen solcher Texte nichts anderes übrig, als in einer Vorbemerkung auf die angewendeten Schreibungen (die dann konsequent durchzuhalten sind!) hinzuweisen. Selbstverständlich hat man damit auf den allgemeinen Sprachgebrauch keinen Einfluss - was auch heißt: Will man im üblichen Deutsch verständlich bleiben, muss man sich diesem anpassen und es wagen, vom Englischen stärker abzuweichen, um auch die Konsequenz in der Verwendung der Wörter durchhalten zu können.
Allen Lesern, die sich über die Unterscheidung zwischen (englisch) Æther und Ether an der Quelle informieren möchten, geben wir die Hinweise von Eva Jahn weiter, die auf entsprechende Textstellen in HPBs Isis Entschleiert, II, S.272, Collected Writings, Bd. X, S.384 und auf G. v. Puruckers Studien zur esoterischen Philosophie , Bd.l, S.129 verweist.
Reiner Ullrich
Autor: Reiner Ullrich
