Das Gebot des Pythagoras

 
Denken Sie an die Regel, die Pythagoras aufstellte. Sie wurde im­mer wieder zitiert, aber sie verliert durch die Wiederholung nichts von ihrer Schönheit und ihrer Tiefe.
Sie lautet ungefähr so:
 
"Lasse die Sonne nicht den westlichen Horizont erreichen,
noch schließe Deine Augen zum Schlaf, ehe Du nicht
alle Ereignisse des eben vergangenen Tages überdacht
und die folgenden Fragen gestellt hast:
 
Was habe ich heute getan, das gut war?
Was habe ich heute getan, das schlecht war?
Habe ich jemanden verletzt?
Habe ich meine Pflicht versäumt?
 
Lasse die untergehende Sonne nicht
den westlichen Horizont erreichen,
noch schließe die Augen zum Schlaf,
ehe Du Dir nicht diese Fragen gestellt hast."
 
Wenn die Menschen nur diese einfache Regel bewußt befolgten, würden neunundneunzig Prozent der Sorgen der Welt, des Leidens der Herzen, der Sünde und Angst nicht existieren, sie würden gar nicht erst entstehen. Der Grund dafür ist einfach. Die Kümmernisse der Welt entstehen aus unserer Schwäche, nicht aus unserer Stärke; und wenn wir unsere Stärke vergrößern und unsere Schwächen be­seitigen würden, dann würde danach jeder Mensch, entsprechend seiner inneren Entwicklung, zu einer Kraft des Guten in der Welt werden. Und Sie erkennen, was dies bedeuten würde. Die meisten Gedanken, Gefühle und Handlungen, die uns das Elend bringen, würden dadurch direkt an ihrer Wurzel abgeschnitten.
 
 Wind des Geistes (S. 48)
 


Autor: G. v. Purucker