Gesetze des Universums (1/7)

Gesetz des Ausgleichs: Karma-Nemesis

 

 

Quelle:

H. P. Blavatsky: „Die Geheimlehre“;  zit. S. 422f. in „Leben und Werk der Helena Blavatsky“, von Silvia Cranston & Carey Williams.

 

Allein diejenigen, die an Reinkarnation und Karma glauben, werden gewahr, dass das gesamte Geheimnis des Lebens in der ungebrochenen Serie seiner Manifestationen liegt … Wer an Karma glaubt, muss an die Bestimmung glauben , welche jeder Mensch von der Geburt bis zum Tode wie ein Spinnennetz Faden für Faden um sich selbst webt … Dieses Gesetz prädestiniert - bewusst oder unbewusst - niemanden und nichts … Karma verursacht und plant nichts. Es ist der Mensch, der plant und Ursachen schafft - das karmische Gesetz ordnet diesen Ursachen nur die entsprechenden Auswirkungen zu. Dieses Zuordnen bedeutet jedoch nicht, dass Karma handelt - es ist vielmehr ein Ausdruck der universalen Harmonie, die immer dazu neigt, ihre ursprüngliche Position wieder zu erlangen, ganz ähnlich einem nach unten gedrückten Ast, der mit einer Kraft, die dem ausgeübten Druck entspricht, wieder zurückschnellt. Würden wir sagen, es sei der Ast gewesen, der dabei unseren Arm verletzt hat, oder dass es unser eigenes Tun war, durch das wir uns die Verletzung zugezogen haben? Karma hat niemals versucht, die geistige und persönliche Freiheit  des Menschen zu unterdrücken … Es hat niemals seine Gesetze absichtlich und zur großen Verwirrung der Menschen im Dunkeln belassen, und es bestraft niemanden, der es wagt, seine Geheimnisse zu erforschen. Ganz im Gegenteil handelt für das Wohl seiner Mitmenschen, wer durch Studium und Meditation den komplizierten Verlauf karmischer Wege aufzeigt und die komplexen Umstände erhellt, in denen so viele Menschen umkommen, weil sie sich durch ihr eigenes Unwissen im Labyrinth des Lebens verlieren … Menschen, die an das Wirken des Karma glauben, (kann man) nicht vorwerfen, Atheisten oder Materialisten zu sein - und noch weniger kann man sie des Fatalismus bezichtigen … Es ist eine Lehre, welche den Ursprung des Bösen erklärt, und unsere Vorstellungen von dem, was göttliche, unveränderliche Gerechtigkeit sein sollte, veredelt, anstatt die unbekannte und unerkennbare Gottheit zu erniedrigen, indem sie sie aus ihr die launenhafte, grausame Tyrannin macht, welche wir „Vorsehung“ nennen. Okkultisten und Philosophen reden nicht von der Güte oder Grausamkeit der Vorsehung; aber das sie Letztere mit Karma-Nemesis*) gleichsetzen, lehren sie, dass die Vorsehung bzw. Karma-Nemesis den guten Menschen schützt und über ihn wacht - in diesem und allen zukünftigen Leben - und dass sie den Übeltäter straft - und zwar bis zu seiner siebenten Wiedergeburt, oder, kurz gesagt, so lange, bis selbst das kleinste von ihm aus dem Gleichgewicht gebrachte Atom in der unendlichen Welt der Harmonie wieder ungestört existieren kann. Denn das einzige Gesetz des Karma ist unbedingte Harmonie, sowohl in der Welt der Materie als auch in der Welt des Geistes. Dieses Gesetz ist ewig und unwandelbar. Nicht Karma belohnt oder bestraft also, sondern wir belohnen oder strafen uns selbst, wobei entscheidend ist, ob wir mit der Natur, durch sie und in ihr handeln, indem wir uns an die Gesetze halten, auf denen diese Harmonie aufbaut - oder ob wir sie brechen. In Isis entschleiert wurde bereits darauf hingewiesen, dass diese göttliche, unsichtbare Bildfläche das BUCH DES LEBENS ist … Die ewige Chronik ist kein phantastischer Traum; es gibt derartige Aufzeichnungen auch in der grobstofflichen Welt. ‚Kein Schatten fällt auf eine Wand, ohne auf ihr eine bleibende Spur zu hinterlassen, die durch die Anwendung geeigneter Prozesse sichtbar gemacht werden kann‘, erklärt Dr. Draper. ‚…Und an den Wänden unserer intimsten Gemächer, die wir für absolut sicher vor neugierigen Blicken wähnen, wo unsere Ruhe von niemandem gestört werden kann, sind die Spuren, die Silhouetten all unserer Taten vorhanden.‘ Die Doktoren Jevans und Babbage glauben, dass jeder Gedanke die Gehirnteilchen verschiebt, und, indem er sie in Bewegung setzt, sie durch das Universum zerstreut; sie glauben auch, dass ‚jedes Teilchen des bestehenden Stoffes ein Verzeichnis von allem Geschehenen sein muss‘.

 

*) Nemesis: griechische Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit

 

 



Autor: H. P. Blavatsky