Immanuel KantRationalist und Alleszermalmer -auch ein Zermalmer des theosophischen Weltbildes? | |||
Dr. Bernhard Prediger | |||
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"Acht Quartbände voller Unsinn " - Kants Urteil über SwedenborgImmanuel Kants Abhandlung Träume eines Geistersehers, in der er sich mit dem großen europäischen Weisen und Seher Emanuel Swedenborg und dessen Lehren befasst, gilt für die Aufklärungsphilosophie als das Schwert, mit dem jeder Art unsinnigen Geisterglaubens endgültig der Kopf abgeschlagen worden ist. Und in der Tat schreibt Kant sogleich am Beginne dieser Abhandlung:
Auf Seite 65 ff. zieht Kant eine Art Zwischenbilanz der von ihm bis dahin angestellten Überlegungen, in dem er schreibt:
Das heißt zu deutsch: Die Art Swedenborgs zu schreiben, lässt immerhin darauf schließen, dass er zwar ein Fanatiker, aber kein Betrüger ist, sondern selbst an das glaubt, was er schreibt. Nach dieser nur geringfügigen Entlastung Swedenborgs, mit der ihm zwar Einfalt, aber auch Gutwilligkeit bescheinigt wird, schreibt dann Kant gegen Ende der Abhandlung, das Anfangsurteil aufgreifend und vertiefend:
Und an anderer Stelle fällt Kant das Urteil des von ihm angeführten Rationalismus über jede Art behaupteten Sehertums wie folgt:
Wer vom theosophischen Weltbild her mit Shakespeare der Auffassung ist, dass es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen lässt, dem stellen sich schon irgendwie die Seelenhaare auf, wenn er das liest, aber irgendwo und irgendwie will er doch wissen, mit welchen Gründen im einzelnen Kant zu solchem Urteil meinte kommen zu müssen. Denn irgendwo steckt ja doch in jedem von uns eine Art „ungläubiger Thomas", und wenn sich viele dieses Zuschnitts zu einem Thomaner-Chor zusammenfinden, mag es doch zumindest im Sinne einer Überprüfung der eigenen Auffassung interessant erscheinen, diesen - natürlich rationalen - Gründen nachzuforschen. Tun auch wir dies also, schauen wir, was er sagt - unser Philosoph von der Geisterwelt - und machen wir uns auf eine Erschütterung unseres theosophischen Weltbildes gefasst. Aus den Überlegungen Kants zur Begründung seines Urteils in den „Träumen "Irgendwann hat der eine oder andere von uns im Laufe seiner Entwicklung schon einmal den Gedanken gehabt, dass es doch recht ungereimt erscheint, einerseits jede Art von Geisterglauben abzulehnen, andererseits aber zu meinen, der Mensch habe eine Seele, die nach seinem körperlichen Tode fortbestehe. Deshalb überrascht es ihn keineswegs, bei Kant a. a. O. zu lesen:
Und etwas weiter schreibt Kant:
Und zwei Seiten weiter schreibt Kant:
Statt einer Urteilsbegründung: Eine Geisterwelt muss es eigentlich gebenJeder theosophisch etwas Vorgebildete, der dies liest, wird sich sagen, das alles klingt doch aufregend vernünftig und widerspricht in keinem Punkte theosophischer Lehre. Und wenn dies alles so ist, wie kommt Immanuel Kant dann zu dem eingangs dargestellten und mehr oder weniger vernichtenden Urteil über Swedenborg? Lassen wir diese Frage an dieser Stelle dahingestellt und gehen weiter. Kants Erkenntnistheorie und theosophisches Weltbild: kein WiderspruchDie Bedeutung Kants in der Philosophie-Geschichte wird ja mit Recht insbesondere darin gesehen, dass er die Erkenntnistheorie in den Mittelpunkt seiner philosophischen Bemühungen gestellt, also die Frage behandelt hat, was der Mensch überhaupt erkennen könne und wo die Grenzen dieser Erkenntnis liegen. Sein Urteil in diesem Punkte ist klar: Die Mittel der Erkenntnis des Menschen seien seine Sinne, davon habe er fünf, und da seine Sinneserfahrung begrenzt sei, ende an eben dieser Grenze auch seine Erkenntnismöglichkeit. Und da Kant außerdem erkannte, dass unsere Sinne die Welt in uns nur abbilden, sei es ein zwar naheliegender aber keineswegs zwingender Schluss, die Welt sei wirklich so, wie sie uns in diesen inneren Bildern erscheine. Wenn wir von der Welt sprechen, so könnten wir daher immer nur von dem sprechen, wie sie uns erscheine, nicht aber, wie sie wirklich sei. Was dahinter steckt, was also diese Weltbilder in uns erzeuge, dieses Ding an sich, darüber könne man nichts sagen. Vom theosophischen Weltbild her betrachtet, ist hierzu zweierlei zu sagen: Natürlich findet der theosophisch Vorgebildete in der Lehre Kants von der Erscheinungshaftigkeit der Welt das wieder, was er aus der östlichen Weisheitslehre als Maya-Lehre kennt. (Vgl. Blavatsky, Vorwort zur Geheimlehre, S. 103 ff. dieses Heftes) Des weiteren: Nach der Lehre von der siebenfältigen Konstitution des Menschen sind zwar im Menschen im allgemeinen nur die von Kant herangezogenen fünf Sinne in Tätigkeit. Im Menschen angelegt sind aber noch weitere Sinne ganz anderer Art, die ihn über seine derzeitigen Wahrnehmungsmöglichkeiten hinausheben und zu deren Entwicklung er bestimmt ist. Ansatzweise ist dies auch Kant zumindest als Möglichkeit plausibel, denn er schreibt:
Und noch etwas weiter schreibt Kant, das Vorige bestätigend:
Ohne jenseitige Welt keine Ethik und MoralIm Folgenden betont Kant immer wieder und in eindrucksvoll klaren Formulierungen, dass das, was den Menschen auszeichnet und ihm seine Würde gibt, nämlich die in ihm wirksamen sittlichen Antriebe zum Guten, ohne die Annahme einer in ihm wirksamen geistigen Welt nicht sinnvoll gedacht werden kann. So schreibt er, in dem er zugleich Erfahrungsgründe für diese Annahme in seine Formulierungen mit einfließen lässt:
... Es sind noch Kräfte, die uns bewegen, in dem Wollen anderer außer uns. Daher entspringen die sittlichen Antriebe ... , das starke Gesetz der Schuldigkeit und das schwächere der Gütigkeit, deren jedes uns manche Aufopferung abringt ... Dadurch sehen wir uns in den geheimsten Beweggründen abhängig von der Regel des allgemeinen Willens, und es entspringt daraus in der Welt aller denkenden Naturen eine moralische Einheit ... nach bloß geistigen Gesetzen. Will man diese in uns empfundene Nötigung unseres Willens ... das sittliche Gefühl nennen, so redet man davon nur als von einer Erscheinung dessen, was in uns wirklich vorgeht, ohne die Ursache derselben auszumachen. So nannte Newton das sichere Gesetz der Bestrebungen aller Materie, sich einander zu nähern, die Gravitation derselben. Sollte es nicht möglich sein, die Erscheinung der sittlichen Antriebe in den denkenden Naturen ... gleichfalls als die Folge einer wahrhaftig tätigen Kraft, dadurch geistige Naturen ineinander einfließend, vorzustellen, so dass das sittliche Gefühl diese empfundene Abhängigkeit des Privatwillens vom allgemeinen Willen wäre ... ?" (Seite 29/30) „Alle Moralität der Handlungen kann nach der Ordnung der Natur niemals ihre vollständige Wirkung in dem leiblichen Leben des Menschen haben, wohl aber in der Geisterwelt nach pneumatischen Gesetzen ... Denn weil das Sittliche der Tat den inneren Zustand des Geistes betrifft, so kann es auch natürlicher Weise nur in der unmittelbaren Gemeinschaft der Geister die der ganzen Moralität adäquate Wirkung nach sich ziehen. Dadurch würde es nun geschehen, dass die Seele des Menschen schon in diesem Leben dem sittlichen Zustand zufolge ihre Stelle unter den geistigen Substanzen des Universums einnehmen müsste ... Die aus dem Grund der Moralität entspringenden Wechselwirkungen des Menschen und der Geisterwelt nach den Gesetzen des pneumatischen Einflusses könnte man darin setzen, dass daraus natürlicherweise eine nähere Gemeinschaft einer guten oder bösen Seele mit guten oder bösen Geistern entspringe und jene dadurch sich selbst dem Teile der geistigen Republik zugesellten, die ihrer sittlichen Beschaffenheit gemäß ist, mit ... allen Folgen, die daraus nach der Ordnung der Natur entstehen mögen." (Seite 30/31) Statt einer Begründung des Ausgangsurteils: Weitgehende Bestätigung theosophischer AuffassungenWir reiben uns die Augen angesichts der Eingangszitate Kants über Swedenborg, denn die Ausführungen Kants entwerfen uns ein Weltbild, das dem sogenannten theosophischen Weltbild vollständig entspricht. Franz Hartmann insbesondere weist darauf hin, dass die Seele nach dem Tode in einem automatischen Vorgang in den Bereich der geistigen Welt gravitiert, in den sie gehört, der ihr gemäß ist. Auch er stellt die Gravitationskraft in eine deutliche Parallele zur Liebe Gottes, die er beide als verschiedene Funktionsweisen ein und derselben Kraft ansieht, der Kraft nämlich, die die Welt im Innersten zusammenhält. Noch erstaunlicher für eine Schrift, die nach ihrer Exposition darauf angelegt sein will, mit jedem Aberglauben an eine Geisterwelt endgültig aufzuräumen, findet sich auf Seite 33 folgender Satz Kants:
Diesen Gedanken aufgreifend und bestätigend schreibt Kant:
Auf Seite 36 heißt es dann hieran anknüpfend:
Warum sollte man sich gleichwohl mit der Geisterwelt nicht befassen?Nach alledem kann nun wirklich kein vernünftiger Zweifel mehr daran bestehen, dass Kant von einer neben der sinnlich wahrnehmbaren Welt bestehenden geistigen Welt ausgeht und von Bewohnern darin, zu denen auch die menschlichen Seelen zu rechnen sind. Im Nachfolgenden aber endlich nennt Kant seinen Grund, weshalb er es für mehr oder weniger unsinnig hält, sich mit dieser Art Dingen zu sehr zu beschäftigen. Er schreibt hierzu:
In einfaches Deutsch übertragen heißt dies: Was soll ich mich mit der Geisterwelt befassen, wenn ich doch nicht wissen kann, ob das, was ich dort erlebe, real ist oder nur ein Produkt meiner Phantasie!? Diesen Gedanken vertieft Kant noch auf Seite 37/38, wo er schreibt:
Kant zitiert hier die ihm bekannte Geschichte von Juno und Tiresias, um deutlich zu machen, dass man sich für eine solche Gabe am besten doch bedanken sollte, die einem eine geschätzte und sichere Fähigkeit nehme, um sie durch eine andere, wahrscheinlich zweifelhafte, zu ersetzen. Wichtiger und richtiger in diesem Zusammenhang wäre es aber wohl gewesen, wenn Kant aus der genannten Geschichte die Schlussfolgerung gezogen hätte, die sie nahe legt, nämlich diese: Solange uns unsere fünf Sinne an diese materielle Welt fesseln, können wir die geistige Welt nicht wahrnehmen, genauso wenig, wie wir die Sterne sehen können, solange die Sonne scheint. Diesem Weisheitsgehalt der zitierten Geschichte spürt Kant an dieser Stelle leider nicht weiter nach, sondern geht mehr oder weniger selbstverständlich davon aus, der Mensch habe sich unter allen Umständen an die Welt zu halten, die ihm seine fünf Sinne zeigen. Auch hier keine Abweichung von theosophischer LehreDas Bisherige zusammenfassend können wir Folgendes feststellen: Nach dem mehr oder weniger vernichtenden Ausgangsurteil Kants über die Glaubwürdigkeit von Swedenborg kommen seine nachfolgenden Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass es dem an seine fünf Sinne gebundenen menschlichen Geist grundsätzlich verwehrt sei, über die geistige Welt und etwaige Bewohner darin gesicherte Aussagen zu machen. Festzuhalten ist aber, dass Kant andererseits mehr oder weniger selbstverständlich davon ausgeht, dass es neben der sichtbaren materiellen Welt eine geistige Welt gibt mit durchaus unterschiedlichen Bewohnern darin, zu denen auch die menschlichen wie auch die tierischen Seelen gehören. Weil wir als an unsere Sinne gebundene Wesen aber nie genaue Feststellungen hierüber treffen können, sollten wir es tunlichst unterlassen, uns damit zu befassen, weshalb Kant dann auch ganz am Ende seiner Abhandlung noch zusammenfassend schreibt:
Was bleibt: Ungereimtheit zwischen Urteil und Begründung - wer war eigentlich Swedenborg?Um nun auf unsere Frage nach dem Zustandekommen von Kants Urteil über Swedenborg zurückzukommen, so hätten wir nach allem, was wir an Originaltext von Kant bisher gehört haben, eigentlich erwarten können, dass es Kant bei Swedenborg unentschieden lassen würde, ob dieser nun als Phantast oder als ernst zu nehmender Seher zu beurteilen sei. Wie wir eingangs aber bereits gehört haben, kommt Kant zu einem abschließenden Gesamturteil, das nun gar nicht recht zu dem passen will, was er zu seiner Begründung im einzelnen anführt. Ja er hält sogar, wie wir gesehen haben, Wesen für möglich, die „nicht allein für die sichtbare Welt, sondern auch für die unsichtbare in gewissem Grade organisiert sind." Nach alledem stellt sich das Urteil Kants über Swedenborg als eigenartig und durchaus ungereimt dar, etwas, das zu dem Klardenker der Nation letztlich so gar nicht passen will. Es ist vielleicht gut, an dieser Stelle etwas zu Swedenborg zu sagen, der ja nun wahrlich nicht irgendwer, sondern eine der bekanntesten Persönlichkeiten seiner Zeit war. Er wurde 1688 als Sohn des Hofpredigers Swedberg in Stockholm geboren. Im Jahre 1719 wurde die Familie unter dem Namen Swedenborg geadelt. Sein Leib ruht in der Kathedrale in Uppsala neben den schwedischen Königen, Bischöfen und Fürsten der Wissenschaft. Bis 1744 war er auf vielen Gebieten wissenschaftlich und praktisch erfolgreich. Er gehörte der Petersburger und Stockholmer Akademie der Wissenschaften an. Als Mathematiker, Chemiker, Physiker, Astronom, Geologe, Biologe, Physiologe und Psychologe, Ingenieur und Erfinder war er schöpferisch tätig. Er nahm Erkenntnisse des 19. und 20. Jahrhunderts vorweg, so die Atomtheorie, die Nebulartheorie (21 Jahre vor Kant), die Wellentheorie des Lichtes. Auf vielen Reisen durch ganz Europa bildete er sich, seine Werke erschienen in London und Amsterdam. Er sprach die europäischen, antiken und mehrere orientalische Sprachen. Mit Karl XII. war er eng befreundet. Emerson sagt von Swedenborg: „Sein geistiges Übergewicht würde alle Professoren einer Universität verstummen machen. Sein eminenter Geist ragt hoch über alle Zeiten." Starken Einfluss übte er aus auf Oetinger, Lavater, auf Goethe, Schopenhauer, auf die Romantiker, besonders Schelling, Novalis, Jean Paul, auf Balzac, Baudelaire und Strindberg, Bismarck, Helen Keller und Rudolf Steiner. (Sinngemäß zitiert aus Gerhard Gollwitzer, Die durchsichtige Welt, Ein Swedenborg Brevier, Zürich 1962.) Auch H. P. B. bezeichnet Swedenborg in ihrer Geheimlehre(Gesamtausgabe, Bd. III, S. 425) als großen Schüler der Theosophie, als einen Mann von unleugbar anerkannter Ehrlichkeit, dessen Wissen in Mathematik, Astronomie, den Naturwissenschaften und der Philosophie seiner Zeit weit voraus war und dessen Wert daher nicht genug geschätzt werden könne. Seine Sehergabe setzte erst mit dem 46. Lebensjahre ein und ist umfangreich dokumentiert, vgl. z. B. die von Kant selbst in den Träumen eines Geistersehers zutreffend wiedergegebenen Beispiele. Weitere Beispiele gibt Kant in seinem berühmten Brief an ein Fräulein von Knobloch, abgedruckt in der Reclamausgabe der Träume eines Geistersehers, aus der hier zitiert wird. Revision des Urteils über Swedenborg: Kants "Vorlesungen über Psychologie"Rückblickend können wir feststellen: Das Werturteil Kants über die Person Swedenborgs, das wir bisher kennen, passt weder zu der von ihm selbst gegebenen Begründung, noch zu dem, was andere große Geister über Swedenborg gedacht haben. Man kann sich eigentlich schlecht vorstellen, dass es für einen so redlichen und umfassend systematischen Geist, wie wir ihn bei Kant unterstellen dürfen, dabei sein Bewenden gehabt haben soll, noch dazu angesichts der Tatsache, dass es sich bei den Träumen um eine recht frühe Schrift Kants handelt. Durchforstet man den offiziellen Teil des Kantschen Werkes, so wird man allerdings diesbezüglich nichts finden, was auf einen Sinneswandel Kants bezüglich Swedenborg deutlich schließen ließe. Wohl aber findet man solches in einem der Schulphilosophie offenbar weitgehend unbekannten, in jedem Falle aber nur wenig beachteten und gewürdigten Teil seines Werkes, nämlich in Immanuel Kants Vorlesungen über Psychologie, erstmals gedruckt im Jahre 1889 im Verlag Ernst Günther, Leipzig, und neu herausgegeben im Jahre 1964 im Rudolf-Fischer-Verlag, Pforzheim, mit einer Einleitung von Carl du Prel über Kants mystische Weltanschauung - ein Buch, das heute leider vergriffen und nur noch antiquarisch zu erwerben ist. In der Gesamtausgabe seines Werkes sind diese Vorlesungen nicht enthalten - ein durchaus erstaunlicher Umstand angesichts der Akribie, mit der die Schulwissenschaft Kant-Texte ansonsten behandelt. Wenden wir uns also den in den Vorlesungen enthaltenen Ausführungen Kants zu, insbesondere darüber, was es mit der Seele des Menschen auf sich habe, was mit dem Tode sei und ob es eine jenseitige Welt gebe, wobei ein Bezug zu Swedenborg zunächst noch nicht hergestellt wird. Wir befolgen dabei die gleiche Methode, die wir auch bislang angewendet haben, indem wir uns bemühen, in Form ausgewählter Zitate Kant selbst zu Wort kommen zu lassen. Was ist der Mensch: Seele oder Körper?Zunächst wendet sich Kant dem Leib-Seele-Problem zu und schreibt hierüber auf Seite 75:
Wir sehen an dieser Textstelle sehr schön den Philosophen Kant bei der Arbeit, und das Werkzeug, mit dem er arbeitet, ist die Ratio. Und er spricht damit natürlich unmittelbar den Rationalisten in uns allen an. Eines aber können wir aus dieser Textstelle bereits ebenso sicher erkennen: Kant ist zwar ein Rationalist, aber er ist unter gar keinen Umständen ein Materialist. Dies wird weiter deutlich, wenn er schreibt:
Hier erkennt Kant das Denken und das Wollen als die zentralen Bestandteile der menschlichen Seele, ein Gedanke, der dann von Schopenhauer aufgegriffen und weiter differenziert wird. Auffällig ist an dieser Stelle, dass Kant das Fühlen nicht nennt. Kant über den Schatz der Seele: das NichtbewussteIn seinen weiteren Überlegungen wendet sich Kant dann dem Nichtbewussten des Menschen zu, als dem Teil der Seele, der zwar vorhanden, gleichwohl dem Oberbewusstsein des Menschen nicht oder jedenfalls nicht ohne weiteres zugänglich ist. Er tut dies, indem er zunächst Leibniz wie folgt zitiert:
Mit eigenen Überlegungen führt dies Kant dann so aus:
Und wieder: Volle Übereinstimmung mit theosophischer LehreHier wird in einfachen und klaren Worten - was übrigens die Qualität der Vorlesungstexte Kants gegenüber seinen früheren Texten vornehmlich ausmacht - das ausgeführt und differenziert, was man in theosophischen Texten meint, wenn man von der Reichweite der menschlichen Seele spricht. Auch wird das schon klar angedeutet, was unter Erleuchtung des Menschen eigentlich zu verstehen ist, als Endstadium des menschlichen Erkenntnisprozesses, um den wir uns alle bemühen. Und schließlich und vor allem macht Kant klar, dass alles Erkennen im Grunde Erinnern ist an etwas, was wir - im Grunde eben - schon wissen. Nichts anderes sagt die theosophische Lehre.
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Autor: Dr. Bernhard Prediger

