Quelle: Taimni, I.K. „Selbstverwirklichung“, Aquamarin Verlag 2006, 85567 Grafing
01. Das geoffenbarte* Weltall wurzelt in einem ewigen, grenzenlosen, unveränderlichen, ewig ungeoffenbarten Prinzip, welches das Absolute, Parabrahman (Sanskrit-Ausdruck) oder die höchste Wirklichkeit genannt wird. Dieses Prinzip übersteigt die Kraft menschlichen Verstehens.
02. Bewusstsein und Kraft o d e r Geist und Stoff sind nicht zwei unabhängige Wirklichkeiten, sondern zwei polare Aspekte des Absoluten. Sie sind das erste Ergebnis der Differenzierung und die Grundlage der Offenbarung.
03. Aus dieser Dreiheit entstehen alle die zahllosen Universen, die in einem endlosen Zyklus von Srishti (in anderen theosophischen Werken wird die Periode der Offenbarung meistens mit dem Sanskritausdruck Manvantara bezeichnet.) und Pralaya o d e r Offenbarung und Auflösung erscheinen und wieder verschwinden.
04. Die unzähligen Sonnensystem, die einen Teil des geoffenbarten Weltalls bilden, sind Ausdrucksformen jener höchsten Wirklichkeit, wobei jedes Sonnensystem eine unabhängige Einheit bildet, aber dennoch in der ewig ungeoffenbarten Wirklichkeit verwurzelt bleibt.
05. Jedes Sonnensystem ist ein vollkommen geordneter Mechanismus, der nicht nur durch unveränderliche Naturgesetze geregelt wird, sondern auch die Offenbarung einer transzendenten Intelligenz darstellt, die als Gott oder Logos bezeichnet wird.
06. Die physische Sonne und die mit ihr verbundenen Planeten stellen den äußersten, dichtesten Teil des Sonnensystems dar. Es gibt aber verschiedene unsichtbare Welten aus zunehmend feinerem Stoff, welche die physische Welt durchdringen.
07. Das ganze Sonnensystem mit seinen sichtbaren und unsichtbaren Planeten bildet einen riesigen Schauplatz der Entwicklung, auf dem sich das Leben in seinen verschiedenen Stadien und unzähligen Formen zu immer größerer Vollkommenheit entwickelt.
08. Dieser ganze ungeheure Vorgang wickelt sich nach einem bestimmten Plan ab, der im göttlichen Bewusstsein gegenwärtig ist und durch verschiedene Hierarchien von Wesen auf verschiedenen Stufen der Entwicklung überwacht und geleitet wird.
09. Die Entwicklung der Menschheit auf unserer Erde wird durch eine okkulte Hierarchie geleitet, die aus vollkommen gewordenen Menschen besteht, welche in sich transzendente Kräfte und Fähigkeiten entwickelt haben, von denen wir uns auf unserer gegenwärtigen Stufe keinen Begriff machen können. Sie stehen in ständiger enger Beziehung zueinander und zu den Angelegenheiten in der Welt und leiten diese dem göttlichen Plan gemäß mit vollendeter Geschicklichkeit und Weisheit.
10. Das Leben entwickelt sich allmählich, Stufe um Stufe, durch das Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich. Die Entwicklung setzt sich aber nach dem Erreichen der Vollkommenheit des menschlichen Stadiums fort.
11. Jeder Mensch ist seinem inneren Wesen nach göttlich und enthält alle Eigenschaften und Kräfte, die wir mit dem Göttlichen verbinden, im Keimzustand. Diese Kräfte werden allmählich entfaltet, was zu einer zunehmenden Vollkommenheit und zu einer Ausdehnung des Bewusstseins führt, die keine Grenze hat.
12. Die Entfaltung dieser schlummernden Eigenschaften und Kräfte wird durch den Vorgang der Reinkarnation bewirkt, wobei die Seele sich immer wieder in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Umständen verkörpert, um Erfahrungen aller Art zu gewinnen, und dann Perioden der Ruhe auf den überphysischen Ebenen verbringt, um diese Erfahrungen zu assimilieren.
13. Nicht nur der physische, sondern auch alle anderen Aspekte des menschlichen Lebens werden durch Naturgesetze beherrscht, die in ihren jeweiligen Bereichen wirken. Das allumfassende Gesetz von Ursache und Wirkung, das gewöhnlich Karma genannt wird, macht den Menschen zum Meister seines Schicksals, der sich selber Glück o d e r Elend gibt.
14. Wie die Entwicklung der Formen im Pflanzen- und Tierreich durch Benützung biologischer Gesetze beschleunigt werden kann, so kann die Entwicklung des Menschen durch die Anwendung mentaler und geistiger Gesetze, die auf ihren jeweiligen Ebenen wirken, beträchtlich beschleunigt werden.
* ‚Offenbarung‘ mit ‚geoffenbart‘, ‚ungeoffenbart‘ - ein etwas altmodisch klingendes Wort, das sagen will, dass sich etwas entfaltet und zeigt oder auch sich zum Ausdruck und einer wahrnehmbaren Existenz bringt, bzw. im Falle von „un-geoffenbart“, sich n i c h t zeigt oder wahrnehmbar macht.
Autor: Iqbal Kishen Taimni (1898-1978), geb. in der nordindischen Provinz Pradesh, Prof. für Chemie an der Allahabad Universität in Indien; Autor verschiedener Bücher zur Theosophie, bes. die Interpretation der Yoga-Sutren des Patanjali.
