Verborgene Weisheit

in der Heiligen Schrift

 

Die Weihnachtsgeschichte

Geoffrey Hodson

Einführung (Charlotte Wegner):

Geoffrey Hodson (1886 1983) war ein tiefreligiöser Mensch, im mystischen Christentum verwurzelt, ebenso, und vielleicht gerade deshalb, offen für die spirituellen Traditionen anderer Kulturkreise. Von Geburt an seherisch begabt und lebenslang geistig-theosophischen Studien zugewandt, weitete sich sein Blick mehr und mehr für den universellen Gehalt der Religionen und die hinter ihrem vielfältigen Schleier verborgene Wirklichkeit. Durch zahlreiche Bücher, Vorträge und Seminare, vor allem in USA. Indien, Australien und Neuseeland, ist er im englischsprachigen Raum bekannt geworden. Nur ein Teil seiner Schriften ist in deutscher Sprache zugänglich, manches davon bereits wieder vergriffen.1

Von Interesse für den westlichen Leser mag seine Studie über Die verborgene Weisheit in der Heiligen Schrift sein, darunter auch seine Deutung der Weihnachtsgeschichte. Wie andere theosophische Autoren vertritt er die Auffassung, dass in den „Heiligen Schriften der Welt" unter dem Schleier von Allegorien und Symbolen tiefe Wahrheiten verborgen sind. Er ist der Überzeugung, dass diese Wahrheiten den (ursprünglichen) „Verfassern" „auf direkterem Wege offenbar geworden sind", einhergehend mit dem Erwachen höherer psycho-mentaler Fähigkeiten und Kräfte. Da „solche Kräfte" jedoch stets - bis heute - „dem Missbrauch ausgesetzt" sind, war es notwendig, bestimmte Wahrheiten im Schleier von Allegorie und Symbol zu vermitteln. Dem „Wissenden," d. h. dafür reifen Menschen, erschließt sich die Wahrheit in diesem Symbol, wobei dieses gleichzeitig dem Profanen gegenüber eine verhüllende Funktion hat. Auf diese Weise bildete sich nach Hodsons Erkenntnis im Laufe der Zeiten eine Sprache heraus, „die sich von dem gewöhnlichen Schreibstil insofern unterscheidet, als sie zwar aufgebaut wird auf einigen historischen Tatsachen und Begebenheiten, größtenteils aber aus Symbolen besteht, die ihrerseits nur mit Hilfe bestimmter „Schlüsselworte" zu entziffern sind.

Hodson vermerkt, dass ihm bei der Ergründung dieser „Schlüssel" theosophisches Schrifttum wegweisend war - wie „THEOSOPHIE überhaupt, sofern sie für die Menschheit erreichbar gemacht worden ist". Er erwähnt insbesondere Ammonius Saccas und seine Schüler (die „Neuplatoniker") im westlichen Kulturkreis wie auch Brahma Vidya (skr. die Weisheit Brahmans I Göttliche Weisheit) im fernen Osten. Für ihn selbst überraschend schwanden im Laufe solcher Studien viele Schwierigkeiten und Ungereimtheiten, die ihn vorher in der Bibel befremdet hatten.
 
Kennzeichnend für Hodsons geistige Ausrichtung und seine im Inneren verankerte Vorgehensweise können die Ratschläge sein, die er jenen gibt, die wie er dem tieferen Sinn der Symbole und Allegorien nachspüren möchten.

1) Flehe um das Innere Licht, ausschließlich damit Du dadurch der Menschheit helfen kannst.2

2) Entschließe Dich, die wesentlichen Wahrheiten wirklich entdecken zu wollen.

3) Mach dich ein für alle Mal von der Vorstellung frei, dass wörtliches Lesen der einzig wahre und geistlich zugestandene Weg zum Verstehen sei.

4) Meditiere, um Deine intuitive Empfänglichkeit zu vertiefen, denn sie ist notwendig, um den Sinngehalt der Allegorien, Mythen und Märchen nachzuvollziehen.

5) Beschäftige Dich außer mit der Bibel mit entsprechenden Schriften anderer Kulturen.

6) Lerne die Hauptschlüsselworte und ihre Bedeutung und übe ihre Anwendung auf alle Mythen, Legenden und Märchen der Welt.3 Aber hüte Dich, zuviel an symbolischer Bedeutung in die Geschichten hineinzulegen, und lies aus den Berichten nicht mehr heraus, als der Verfasser mitteilen wollte.

(Fortsetzung folgt)

 1 In deutscher Sprache ist zur Zeit das 2004 erschienene umfangreiche und mit zahlreichen Abbildungen versehene Werk G. Hodsons, Die Engel und die Entwicklung des Lebens (engl. The Kingdom of the Gods) erhältlich, außerdem in einer Neuauflage Meditation - Einblicke in das große Geheimnis des LEBENS (iAquamarin Verlag).
 
2Dies entspricht der Motivation des Bodhisattva im Mahayana-Buddhismus; vgl. den Artikel „Das Bodhisattva-Ideal im Mahayana - Buddhismus" in Theosophie heute, 1/2006, insbes. S. 26 u. 27.

3 Siehe dazu G. Hodson, The Concealed Wisdom in World Mythology (Verborgene Weisheit in der Mythologie der Welt) Theosophical Publishing House, Adyar, Madras / Wheaton Ill., 1983 u. 1990.

 


Autor: Geoffrey Hodson